Themen: Kt. Solothurn, Presse


Linux-Migrationen erregen die Gemüter, wie bereits mehrfach aufgezeigt wurde in der Vergangenheit. Sei es München, das Bundesgericht oder der Kt. Solothurn, überall wissen Gegner der Open Source Migrationsprojekte angeblich sehr genau Bescheid, dass die Vorhaben wegen welchen Gründen auch immer gescheitert sind. Ab und zu sind es auch Medien, die einseitig gefärbte Artikel veröffentlichen. Im jüngsten Beispiel schrieb die Aargauer Zeitung einen Bericht über die Linux-Migration des Kantons Solothurn mit dem verfänglichen Titel „Steht Linux kurz vor dem Aus?“ (kommentiert in inside-it.ch)

Wenn auch dieser Blog nicht aus neutraler Perspektive verfasst wird, so beanspruchen doch die jeweiligen Autoren ein Mindestmass an Objektivität – oder kennzeichnen ihre Artikel klar als Meinungsäusserungen. In dem Sinne stellt die Gegendarstellung von Pro-Linux.de (richtig, wie der Name andeutet auch keine neutrale Plattform) eine Recherche dar, die sich um das Aufzeigen weiterer wichtiger Fakten bemüht:

Solothurn: Probleme stark übertrieben

Die Solothurner Zeitung berichtete gestern, wie auch auf Pro-Linux gemeldet, über wachsende Kritik an der Linux-Migration des Kantons Solothurn. Pro-Linux fragte nach, ob dieser Bericht den Tatsachen entspricht. Von Hans-Joachim Baader

Auf unsere Nachfrage erklärte Kurt Bader, Chef des für die Migration verantwortlichen Amtes für Informatik und Organisation (AIO), dass es momentan nur noch ein größeres Problem gebe, und das bestehe im Webmail-Client von Scalix. Es fehle eine Aufgabenverwaltung in dem Programm. Diese sei von Scalix für März 2010 zugesagt, aber bisher noch nicht ausgeliefert worden. Daneben gebe es einige für die Benutzer wichtige »Komfort-Funktionen«, die das Programm noch nicht besitze. Ansonsten fehle dem Client aber nichts, auch dass er webbasiert ist, spiele letztlich keine Rolle.

Korrekt ist die Angabe des Zeitungsartikels, dass die Einführung von Ambassador auf den 1.1.2011 verschoben wurde. Zwar war das Programm schon am 1.4. weit fortgeschritten, doch ließ die Geschwindigkeit noch zu wünschen übrig, so dass es von den Benutzern nicht akzeptiert wurde. Ambassador ist ein umfangreiches System, an das zahlreiche weitere Fachanwendungen angekoppelt sind. Es wurde im Auftrag des AIO von der englischen Firma Zylog geschrieben. Es löst das von der Schweizer CM-Informatik entwickelte Konsul ab. Da CM-Informatik entgegen ursprünglicher Zusagen keine Linux-Version von Konsul entwickeln wollte, erhielt das AIO den Quellcode und ließ von Zylog die in Ambassador umbenannte Software auf Java portieren.

Als Betriebssystem setzt Solothurn auf Univention Linux. Für den Support wird auf ein lokales Unternehmen zurückgegriffen, es bestehen aber auch direkte Kontakte zu Univention. Über 800 der 1300 gleichzeitig arbeitenden Benutzer des Kantons arbeiten täglich mit dem Linux-Desktop, (unter Ausklammerung der fehlenden Webmail-Funktionen) zur Zufriedenheit der Benutzer, wie Kurt Bader betont. Ausgenommen von der Migration wurden die Gerichte – nicht aus technischen Gründen, sondern weil die Benutzer kompromisslos auf MS Outlook bestanden.

Einige Benutzer leisten der Migration weiterhin Widerstand – und dies wurde in dem Artikel der Solothurner Zeitung erheblich aufgebauscht. So handelte es sich bei den angeblichen Problemen mit dem Drucken lediglich um ein vorübergehendes Problem, das nach dem Update des VMWare-Servers, auf dem der virtualisierte CUPS-Servers läuft, vor drei Wochen auftrat und mit einer Einstellungsänderung im VMWare-Server behoben wurde. Insgesamt ist nach Auskunft des Amtsleiters das System äußerst stabil und wartungsarm. Schon jetzt spart die Verwaltung ca 1,5 Mio. Franken pro Jahr ein, und das schon seit Jahren. Die von Migrationsgegnern geforderte Expertise wird laut Kurt Bader wahrscheinlich nicht sehr viel Neues bringen. Der endgültige Migrationstermin zu Ambassador am 1.1.2011 stehe, und mit der Ersparnis gibt es ein zusätzliches Argument für die Migration. Dass sich die Politik trotzdem anders entscheidet, scheint zur Zeit unwahrscheinlich, jedenfalls zeigt der Regierungsrat nach wie vor eine zustimmende Haltung zum Projekt.

Bisherige Artikel dieses Blogs zum Kt. Solothurn

1 Kommentar

  • Ihre Kritik an der Solothurner Zeitung trifft zu 100% zu.
    Die Redaktion erhielt von mir eine Woche vor diesem einseitigen Linux Artikel die ausführlichen Informationen, dass sich der Bildungsserver seit diesen Frühling sehr mutig für Freie Software bekannte und damit einiges auslöste im MS-Lobbistengrüppli! Meine Anfrage warum die Pressemeldung nicht publiziert wird, bleibt unbeantwortet, auch Nachhacken nützt nichts!
    Gut gibt es die NNZ und Beobachter!

    Auch beim Bildungsserver scheint man Angst vor dem eigenen Mut und den Konsequenzen zu haben!
    Oder ist der Druck so gross, dass man weder auf der Titelseite, unter News noch unter einem Menupunkt und der Suchfunktion etwas findet.
    Der Bildungsserver nimmt wie die SZ Ihren Informationsauftrag nicht wahr!

    Wer die Empfehlungen selber im Orginal lesen will, findet Sie auf http://www.opensource.educa.ch (das gibt es tatsächlich, aber fast niemang weiss es 😉
    … oder wenn es gelöscht würde direkt als PDF, auch auf http://www.userlearn.ch!

    Statt wie andere Zeitungen über diese Pressemeldung zu berichten, bringt die SZ den negativen, übertriebenen Artikel zu Linux.
    Wussten Sie, dass es auch zufriedene MitarbeiterInnen gibt, zum Bsp. diejenigen, die unsere Gimpkurse besuchten und staunten, wie gut Bildbearbeitung auf den server der Veerwaltung lief.
    Wer nach einer gute Ausbildung mit einem Gratis 4×4 Kombi sicher unterwegs ist, wird die Luxuskarosse MS-Car nicht vermissen! Wer die Gegend kennt, braucht kein Navigationssystem und wenn er es doch braucht, findet er es mittlerweile auch gratis!

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