Oracle vs. Open Source? Das Open-Source-Entwicklungsmodell auf dem Prüfstand

Publiziert auf t3n.de: Mit dem Kauf von Sun hat Oracle die Kontrolle über zentrale Open-Source-Technologien wie MySQL, Java und OpenSolaris übernommen. Die jüngsten Entscheidungen von Oracle haben große Diskussionen darüber ausgelöst, ob Oracle das Open-Source-Entwicklungsmodell weiter leben will oder nicht. Wir fassen die aktuellen Ereignisse zusammen und zeigen auf, welche wichtigen Erkenntnisse zur Nachhaltigkeit von Open-Source-Projekten eine differenzierte Sichtweise und vertiefte Analyse der Reaktionen auf die aktuellen Ereignisse liefert.

Es war vorhersehbar: Mit Oracles Kauf von Sun sind zwei Welten zusammengestoßen. Viel wurde bereits bei der Ankündigung im letzten Jahr und bei der Gutheißung durch die Europäische Kommission Anfang 2010 spekuliert, wie diese zwei vollständig unterschiedlichen Unternehmenskulturen aufeinander einwirken würden. Und tatsächlich sieht es so aus als ob selbst die schlimmsten Befürchtungen wahr geworden sind: Stilllegung oder Vernachlässigung von Open-Source-Projekten, Community-Eklats, Preiserhöhungen, Brain Drain und sogar Patentklagen. Bei der Open-Source-Version von MySQL werden wichtige Funktionalitäten wie Backup laut MySQL-Urvater Michael „Monty“ Widenius künftig nicht mehr weiterentwickelt. OpenSolaris wurde faktisch in den Ruhestand geschickt und die Community ausgehebelt, das Governing Board trat vergangene Woche geschlossen zurück. Das zuvor gratis erhältliche ODF-Plugin kostet nun plötzlich 90 US-Dollar. Open-Source-Experten und Software-Entwickler von Sun wie Simon Phipps, Adam Leventhal, Tim Bray oder James Goslin haben Oracle unter lautem Protest verlassen. Und der größte aller Coups: Oracle hat Google wegen Patentverletzungen bei Androids Java-Implementation verklagt. Auf den ersten Blick scheint es also so, als ob nach Microsoft nun Oracle der neue „IT-Konzern non grata“ der Open-Source-Szene werden möchte.

Fokus auf ein einziges Open-Source-Betriebssystem

Fragt man aber bei Oracle-Managern nach und recherchiert man etwas genauer, dann tauchen für die meisten Vorkommnisse plötzlich nachvollziehbare Erklärungen auf, die Oracle wieder in besseres Licht rücken. Zum Beispiel OpenSolaris. Dies war seit der Lancierung im Jahr 2005 Suns Open-Source-UNIX-Antwort auf die Linux-Distributionen. Oracle hingegen wirkt schon seit vielen Jahren substanziell an der Weiterentwicklung des Linux Kernels mit. In zwei freie Open-Source-Betriebssysteme zu investieren habe sich für Oracle zu kostenaufwändig herausgestellt, erklärten uns auf Nachfrage zwei Oracle-Manager, die namentlich nicht genannt werden wollen. Insbesondere weil OpenSolaris nie einen relevanten Marktanteil erlangt habe. Deshalb wolle sich Oracle nun auf den kommerziellen Vertrieb von Solaris konzentrieren und sein Open-Source-Engagement auf Linux fokussieren. Die zweigleisige Strategie, einen Open-Source- und einen Closed-Source-Software-Stack zu vertreiben, hat Oracle noch nie verheimlicht. Und dass die externe OpenSolaris Entwickler-Gemeinschaft vor den Kopf gestoßen wird, stört Oracle nicht weiter, denn es kann kein guter Ruf verloren gehen, wo noch nie einer war.

Laut Aussagen der beiden Oracle-Manager genießt MySQL hingegen weiterhin eine wichtige Stellung innerhalb von Oracle, wie die interne Reorganisation zeige. Gestützt wird dies durch eine Umfrage von Jaspersoft, die ergeben hat, dass MySQL-Benutzer nun unter Oracle gar eine Verbesserung der Weiterentwicklung von MySQL erwarten. Dem widersprechen MySQL-Mitgründer Monty Widenius sowie ein langjähriger MySQL-Mitarbeiter im Interview; Oracle habe gar keine wirklich erfahrenen MySQL-Entwickler mehr behalten können, weil die meisten Schlüsselpersonen bereits nach dem Kauf von Sun die Firma verlassen hatten. Wie wichtig die Weiterentwicklung von MySQL für Oracle nun tatsächlich ist, muss die Zukunft zeigen.

Beim Kritikpunkt des neuerdings kostenpflichtigen ODF-Plugins für Microsoft Office und die angeblichen Preiserhöhungen für Support von Suns Hard- und Software geben die Oracle-Manager eine nachvollziehbare Begründung an. Sun war bekannt dafür, dass sie schlecht im Vermarkten ihrer eigentlich hochqualitativen Produkten waren und entsprechende Verluste einfuhren. Oracle hingegen verfügt über eine riesige Verkaufsbelegschaft und hat diese schon seit jeher entsprechend den Abhängigkeiten seiner Kunden die Preise diktieren lassen. Auch hier ein logisches Verhalten einer gewinnorientierten Organisation.

Die Abgänge bei den Open-Source-Entwicklern erklären die Oracle-Verantwortlichen mit einer natürlichen Fluktuation bei Firmen-Mergern und betonen gleichzeitig, dass dies von den rund 35.000 Ex-Sun-Angestellten bloß ein paar wenige aber sehr wortstarke Mitarbeiter sind. Wichtig sei auch zu berücksichtigen, dass gesunde Open-Source-Projekte eben gerade nicht von Einzelpersonen abhängen dürfen und im Firmenalltag auch tatsächlich von vielen verschiedenen Programmierern weiterentwickelt werden.

Feuersturm Oracle-Klage gegen Google

Die Story rund um Oracles Klage gegen Google hat schließlich am meisten Staub aufgewirbelt und wird am prominentesten diskutiert. Dies, weil sich a) zwei prominente IT-Großkonzerne rechtlich und kommunikativ streiten, b) mit Android und Java zwei hochaktuelle Technologien betroffen sind und es c) um Grundsatzfragen wie Software-Patente und Community-Prozesse geht. Die Geschichte geht zurück ins Jahr 2007, als Google Android auf den Markt brachte, sich aber nicht mit Sun auf eine Lizenzierung der Java-Umgebung einigen konnte. Sun hatte zwar Google auf die Umgehung des Java Community Prozesses hingewiesen, dennoch aber nie konkrete Maßnahmen ergriffen. Unterdessen besitzt Oracle die gesamten Sun-Patente im Zusammenhang mit Java und verwendet diese nun gegen Google – ein leidiger Krieg um geistiges Eigentum beginnt, wie ihn die Open-Source-Szene schon oft erlebt hat (siehe SCO vs. IBM oder Microsoft vs. TomTom).

Wie diese Situation nun zu interpretieren ist, daran scheiden sich die Geister. Laut den befragten Oracle-Managern unterstütze die Klage gegen Google die Open-Source-Community, denn sie zwinge den Internet-Giganten an die Einhaltung des Java-Community-Prozesses. Diese Sichtweise wird auch von Experten innerhalb der Java-Community geteilt. Ganz anders stellt natürlich Google die Situation dar. Wie TechCrunch mitgeteilt wurde, verurteilt Google die Klage von Oracle als Angriff auf die Java-Entwicklergemeinde und impliziert gleich in allen drei Sätzen, dass sie die eigentliche Open-Source-Community vertreten. Deckungsfeuer erhält Google durch Adobes Open-Source-Chef Dave McAllister, der in Microsoft und Oracle eine „Achse des Bösen“ sieht.

Etwas differenziertere aber nicht weniger spannende Sichtweisen werden von vielen weiteren Open-Source-Experten wie Java-Vater James Goslin („war zu erwarten“), GNOME- und Mono-Gründer Miguel de Icaza (pure Schadenfreude), Canonical-COO Matt Asay („den Osterhasen gibt es nicht“) , Software-Patent-Gegner Florian Müller („ich habe es immer gewusst“) sowie Business-Model-Kenner Carlo Dafara (pragmatische Detailanalyse) verfasst. Interessanterweise zeigen diese Kommentare deutlich auf, dass kein klares „Oracle vs. Open Source“ oder „Google ist pro Open Source“ auszumachen ist. Beide Firmen verwenden offenbar den Begriff „Open Source“ zu ihren Gunsten, um der IT-Welt einen eiskalt geplanten Rechtsstreit zu begründen. Denn selbst Google hält sich nicht immer an die Good-Governance-Prinzipen von Open-Source-Communitys, wie Jason Hiner in seinem Artikel „The dirty little secret about Google Android“ beschreibt. Verständlicherweise möchte sich Chris DiBona, Open-Source-Verantwortlicher bei Google, auf Anfrage von t3n momentan nicht dazu äußern.

Open-Source-Entwicklungsmodell auf dem Prüfstand

Die aufgezeigte Streitfälle sind zwar an sich relativ unabhängige Geschichten, die unterschiedliche Open-Source-Communitys betreffen. Und doch haben sie eines gemeinsam: In allen Geschehnissen steht das Open-Source-Entwicklungsmodell auf dem Prüfstand. Was passiert, wenn eine große Technologie-Firma die Entwicklungsstrategie ihrer Open-Source-Produkte wechselt und wieder einen Schritt Richtung Closed Source vornimmt? Sind die Benutzer der Software tatsächlich unabhängig genug vom Anbieter, um den notwendigen Support künftig woanders zu erhalten? Laut Theorie des Open-Source-Entwicklungsmodells sollte der Wegfall eines Entwicklers oder einer ganzen Firma nicht wesentlichen Einfluss auf die Fortsetzung des Open-Source-Projekts haben, denn andere Personen und Organisationen können Dank des frei zugänglichen Quellcodes in die Bresche springen und entsprechende Aufgaben übernehmen. Im Extremfall würde dies gar bedeuten, dass sich ein Teil der Entwickler-Community organisatorisch abspaltet, den Quellcode kopiert und unter neuem Namen als so genannten Fork („Gabelung“) weiterentwickelt. Somit müssen die Sponsoren eines Open-Source-Projekts wissen, dass die Community jederzeit ihr digitales Damoklesschwert, das Forking, einsetzen kann, wenn sich die steuernde Firma nicht richtig verhält. Aus diesem Grund herrscht nur geringe Anbieterabhängigkeit bei Open-Source-Software, da sie nicht von einer einzelnen Organisation kontrolliert werden kann.

Soweit die Theorie. In der Realität gibt es unterschiedliche Open-Source-Projekte, die von sehr heterogenen Communitys (beispielsweise der Linux Kernel) bis hin zu stark homogenen Entwickler-Strukturen (beispielsweise OpenSolaris) reichen. Obwohl die Software stets als bezeichnet werden kann, da sie unter einer entsprechend OSI-zertifizierten Lizenz veröffentlicht wurde, sind die Community-Strukturen doch vollständig anders. Verlässt eine Firma die Linux-Entwicklergemeinschaft, hat dies keine gravierenden Konsequenzen. Stellt nun aber Oracle die Weiterentwicklung von OpenSolaris ein, wird dies ein Überlebenskampf für die zurückbleibende Community. Diese hat im Sommer 2010 vorausschauend ein Fork von OpenSolaris, das Projekt Illumos, gegründet. Ob dies eine nachhaltige Alternative für OpenSolaris-Benutzer ist, wird sich zeigen. Ein OpenSolaris-Kunde, der nicht genannt werden möchte, bezweifelt, dass die Community ohne Unterstützung von Oracle ein genügend zuverlässiges und kompetentes Support-Modell aufbauen kann. Zudem hat er gerade wegen der großen Unternehmung hinter OpenSolaris auf diese Plattform gesetzt. Zu einem neuen Open-Source-Community-Projekt wie Illumos habe er zumindest zur Zeit noch wenig Vertrauen. So prüfe er längerfristig auch Alternativen wie die Migration auf eine Linux-Plattform.

Erfolgreiche Forks von Suns Open-Source-Software

Bei anderen von Oracle abgestoßenen Open-Source-Projekten sieht die Situation besser aus. So haben sich beispielsweise Simon Phipps und zahlreiche weitere Personen, die zuvor bei Sun mit der Single Sign-On-Plattform OpenSSO beschäftigt waren, unter dem Firmennamen ForgeRock zusammengeschlossen und bieten nun ein umfassendes Portfolio von Dienstleistungen inklusive Bug-Fixing und Code Analysis für die ehemalige Sun-Software an. Bei proprietärer Software wäre dies unmöglich gewesen, aber bei Open-Source-Software ist das absolut legal.

Ein weiteres Erfolgsbeispiel eines Forks hat MySQL-Mitgründer Monty Widenius bereits vor eineinhalb Jahren gestartet, als er seine Anteile an MySQL verkauft und mit rund zwanzig anderen Kern-Entwicklern die Firma Monty Program AB gegründet hat. Sie haben das Projekt MariaDB lanciert, ein so genannter Branch des MySQL-Quellcodes, da Verbesserungen (Patches) nach wie vor zu einander kompatibel sind und auch entsprechend integriert werden. Daneben gibt es noch weitere MySQL-Branches bzw. -Forks wie Drizzle, Percona Build, XtraDB und OurDelta.

Verteiltes Wissen ist elementar

Der Ausgang der zwei erwähnten Unternehmensgründungen ist ungewiss. Die Firmen müssen mit ihren Open-Source-Forks erst beweisen, dass sie langfristig unternehmerisch erfolgreich sein können. Dennoch sind aus dem Oracle-Case bereits heute einige Erkenntnisse möglich, die Aufschluss über künftige Evaluationen von Open-Source-Lösungen geben.

Wichtig ist daran zu denken, dass Großkonzerne trotz öffentlichen Commitments für die Open-Source-Philosophie nie aus Mitgefühl oder Selbstlosigkeit handeln sondern am Ende des Tages immer nach den Marktmechanismen funktionieren. Unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlichte Software kann kein Unternehmen wieder zurückziehen, aber wenn es die Urheberrechtsbestimmungen zulassen, können beispielsweise künftigen Software-Versionen als proprietäres Produkt weiterentwickelt werden, wie Oracle dies mit OpenSolaris und Teilen von MySQL geplant hat. Ein künftiges Opfer einer derartigen Entwicklung könnte auch OpenOffice.org sein, wenn nicht rechtzeitig eine handlungsfähige Trägerschaft gegründet wird.

Als Fazit gilt: Die digitale Nachhaltigkeit eines Open-Source-Projekts wird negativ beeinflusst, wenn die Entwickler-Ressourcen von einer einzelnen Firma stammen. Wird ein Projekt wie OpenSolaris vorwiegend durch ein Unternehmen weiterentwickelt, befinden sich die Software-Benutzer trotz Open-Source-Lizenz in einer großen Abhängigkeit zum Software-Hersteller. Erst wenn eine Open-Source-Community aus genügend unterschiedlichen Beitragen wächst und die Weiterentwicklung von einer unabhängigen Non-Profit Organisation koordiniert wird (siehe als Beispiel die Eclipse Foundation), kann von einem digital nachhaltigen Open-Source-Projekt gesprochen werden. Es kommt somit nicht nur auf den frei verfügbaren Quellcode an, sondern wirklich wertvoll sind die Kern-Entwickler dahinter und dass ihr Wissen möglichst breit gestreut ist. Unter anderem auf dieses Qualitätskriterium sollten Organisationen künftig bei der Wahl von Open-Source-Plattformen achten.

Über den Autor

Dr. Matthias Stürmer ist Senior Advisor bei Ernst & Young in den Bereichen Open Source, Social Media und Mobile Communications. Seine Doktorarbeit hat er an der ETH Zürich über den Einfluss von Firmen auf Open-Source-Communities verfasst. Matthias Stürmer ist Vorstandsmitglied der Swiss Open Systems User Group /ch/open und unter anderem Initiant der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit.

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Verleihung der CH Open Source Awards 2010 an Doodle, Run my Accounts, Magnolia und Politik-Team

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MEDIENMITTEILUNG (PDF)
SWISS OPEN SYSTEMS USER GROUP /CH/OPEN

Die Jury hat sich entschieden: Die diesjährigen CH Open Source Awards gehen an Doodle und Run my Accounts in der Kategorie Open Source Business Case, an das Open Source CMS Magnolia in der Kategorie Contribution und an die Nationalräte Edith Graf-Litscher und Christian Wasserfallen als Advocacy-Gewinner.

Die gestrige Preisverleihung mit Rahmenprogramm war bereits wenige Tage nach Ankündigung vollständig ausgebucht. Über 100 geladene Gäste fanden sich im Kongresshaus Zürich ein um eine Fülle von Fachreferaten zu besuchen, in der Schweizer Open Source Szene zu Networken und die Verleihung der CH Open Source Awards 2010 mitzuerleben. Die Auszeichnungen werden bereits seit drei Jahren durch die Swiss Open Systems User Group /ch/open verliehen.

Aus den 41 Eingaben hat sich die aus bekannten Open Source Kennern und renommierten IT-Experten zusammengesetzte Jury für Doodle und Run my Accounts in der Kategorie Open Source Business Case, für das Open Source CMS Magnolia in der Kategorie Contribution und für die Nationalräte Edith Graf-Litscher und Christian Wasserfallen als Advocacy-Sieger entschieden.

Dr. Sebastian Spaeth , Open Source Forscher an der ETH Zürich und Jury-Mitglied, erklärt zu den beiden Business Case Gewinnern: „Doodle hat es geschafft, mit Hilfe von Open Source Komponenten ein erfolgreiches und weithin bekanntes Startup aufzubauen. Run my Accounts ist ein innovatives Business Model, das massgeblich auf Open Source Komponenten basiert. Besonders gut gefällt, dass Run my Accounts Verbesserungen wieder an die Open Source Gemeinde zurück gibt.“

Zum Contribution-Gewinner erläutert Juror Cédric Hüsler, Director of Product Marketing bei Day Software: „Magnolia bietet in einem hoch kompetitiven Umfeld – dem CMS Market – eine auf Standards basierte Lösung, auf der weltweit Firmen ihre geschäftskritischen Informationen verwalten. Dabei wird die Community von Kunden und Partnern in den Entwicklungsprozess einbezogen und wiederum gewonnene Innovation an die Open Source Community zurückgegeben.“

Jan Fülscher von den Business Angels Schweiz hebt schliesslich das Engagement der Politik-Teams hervor: „Mit Edith Graf-Litscher und Christian Wasserfallen sowie vielen weiteren National- und Ständeräten setzen sich Politiker auf höchster Ebene dafür ein, dass Open Source Software in der Politik, Verwaltung und in der Öffentlichkeit Sichtbarkeit und Anerkennung gewinnt. Frau Graf-Litscher und Herr Wasserfallen sind als Co-Präsidenten der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit massgeblich für die Erfolge und Aktionen dieser Gruppe verantwortlich.“

Informationen und Fotos der Gewinner:
www.ossawards.ch/award-gewinner

Folien und Fotos der Referate:
www.ossawards.ch/preisverleihung/programm

Video-Aufzeichnung des Anlasses wird in Kürze publiziert auf:
www.youtube.com/openexpo

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IT-Integrator Accenture prophezeit Open Source grosses Wachstum

Wie die Newsplattform Heise kürzlich über eine aktuelle Open Source Studie von Accenture berichtete, steht der Entwicklung von und Nachfrage für Open Source Software eine vielversprechende Zukunft bevor. Accenture stellt sowohl eine Analyse der Ergebnisse als auch die Details der Umfrage bezüglich Regionen und Sektoren frei zur Verfügung.

Studie: Unternehmen investieren mehr Geld in Open Source

Bei einer Umfrage von Accenture haben zwei Drittel (69 Prozent) der befragten jeweils 150 IT-Verantwortlichen in britischen und US-amerikanischen Großunternehmen angegeben, 2010 mehr Geld in Open-Source-Software investieren zu wollen. Über ein Drittel (38 Prozent) plant, in den kommenden zwölf Monaten unternehmenskritische Anwendungen auf Open-Source-Umgebungen zu migrieren.

Die Hälfte der CIOs gab an, voll auf Open Source zu setzen (“fully committed to open source”); zwei Drittel haben eine explizite Open-Source-Strategie für ihr Unternehmen. Weniger als ein Viertel der Unternehmen (22 Prozent) setzen keine Open-Source-Software ein.

Anders als in früheren Untersuchungen zum Thema ist der Wunsch, Kosten zu sparen, nicht mehr das am häufigsten genannte Motiv für den Open-Source-Einsatz: 76 Prozent der Befragten nennen die Software-Qualität, 71 Prozent eine erhöhte Zuverlässigkeit und 70 Prozent eine höhere Sicherheit als Gründe für Open Source. Geringere Kosten sind nur für 50 Prozent der Befragten wichtiges Motiv.

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Preisverleihung CH Open Source Awards 2010 mit vielversprechendem Rahmenprogramm

MEDIENMITTEILUNG SWISS OPEN SYSTEMS USER GROUP /CH/OPEN

Zürich, 10. August 2010

Die Nominationen stehen fest: Die Swiss Open Systems User Group /ch/open vergibt am Mittwoch, 1. September 2010 im Kongresshaus Zürich die diesjährigen CH Open Source Awards in den drei Kategorien Business Case, Contribution und Advocacy. Ein vielversprechendes und kostenlos zugängliches Rahmenprogramm mit hochkarätigen Rednerinnen und Redner und einem ausgedehnten Stehcocktail garantiert eine abwechslungsreiche Veranstaltung.

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Am Mittwoch, 1. September 2010 findet im Kongresshaus Zürich von 14 Uhr bis 17.30 Uhr die Preisverleihung der CH Open Source Awards 2010 statt. Eröffnet wird der Nachmittag durch eine Begrüssungsrede von Dr. Kathy Riklin, Nationalrätin und Gründungsmitglied der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit. Anschliessend erläutert Tobias Murer, CTO von UBS Wealth Management & Swiss Bank, wie deren Open Source Strategie sich in den letzten Jahren vom Verbot zum kontrollierten Einsatz entwickelt hat. Es folgen Fachreferate der Veranstaltungs-Partner Red Hat, Puzzle ITC, Dreamlab, Univention, SyGroup, 4teamwork und Liip, unter anderem zur bislang unbeantworteten Gretchenfrage: Was ist sicherer, Open Source oder Closed Source Software?

Als Höhepunkt werden die CH Open Source Awards 2010 in den drei Kategorien Business, Contribution und Advocacy verliehen. Die Jury hat sich aus den 40 Eingaben für folgende Nominationen entschieden:

Business Case – zeichnet Unternehmen oder öffentliche Institutionen aus, die Open Source Software erfolgreich im Rahmen eines Informatikprojektes eingesetzt haben: Doodle (Online-Terminfindung), Run my Accounts (Online-Buchhaltung) und Geoportal Bund (Online Kartendarstellung)

Contribution – zeichnet Communities, Unternehmen und öffentliche Institutionen aus, die selber Software entwickelt und unter einer anerkannten Open Source Lizenz veröffentlicht haben: Magnolia (Java Open Source CMS), openCRX (Open Source CRM-Lösung), Scout (Open Source Applikationsframework für Geschäftsanwendungen) und Moose (Plattform für Software-Analyse)

Advocacy – wird an engagierte Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderem Masse für die Förderung von Open Source Software eingesetzt haben: Edith Graf-Litscher und Christian Wasserfallen (Co-Präsidium Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit), Theo Schmidt (ehemals Wilhelm Tux) und Daniel Brunner (IT Bundesgericht)

Die Anmeldung ist gratis und ab sofort eröffnet – first come, first served: www.ossawards.ch/preisverleihung

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Video-Statement zu Open Source Software in Europa von Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda

EU-Kommissarin für die Digitale Agenda Neelie Kroes hat zur internationalen GNOME-Konferenz GUADEC ein deutliches Video-Statement zur Förderung von Open Source Software in Europa abgegeben:

‘Open source’ is not a dirty word any more. It used to be a dirty word, a scary one. For example, in e-government applications and public administrations open source was something to be used at home, as a hobby. Nobody would dare to push for an open source solution in a public organisation. “Who will offer us technical support, and what if we are sued for infringing someone’s IP if we use this?”

Those were the sort of issues that discouraged officials from selecting software on merit. We do not yet have a true level playing field, but thankfully attitudes are changing. One example is the European Commission’s OSOR project. This project raises awareness and stimulates reuse of successful open source solutions, across European public administrations. And another example is EUPL, the EU open source license, which, under an EU legal framework, allows for easy licensing of open source software.

Today many large organisations across Europe, such as the Munich City Council, use solutions like Linux. And the UK government has been pushing open source solutions since 2009, with many government departments now using it as a component. And from what I hear, such bodies are pleased with the results. The reason is not only good value for money, which is critical in today’s financial situation, but also more choice. There is lower dependency on certain vendors, and lower switching costs. Things are changing, also in the private sector.

Now large companies declare, proudly, that they are not only using open source software, but contributing to it. And that means that many important open source projects are in fact backed by businesses who are investing in it. They make good returns. And that is going to continue as a major boost for the open source movement. According to data from open source providers, like RedHat, the top three countries for open source activity in the EU are France, Spain and Germany. And with such big countries in the lead, the momentum for open source is set to keep on growing.

Indeed, open source is appearing everywhere: in consumer products, in databases, in business software, in games and as a component of services delivered across the internet. And large initiatives like NOiV, the ‘Nederland Open in Verbinding’ (the Netherlands Openly in Connection”), from my own country, the Netherlands, are helping to make it mainstream also in public administration. The European Commission has done a lot to encourage this trend. One example is the European Interoperability Framework, which aims at interoperability in and between public administrations.

And now the digital agenda for Europe, is raising the stakes. Here we are aiming at a more strategic approach to interoperability and standards, and emphasising the important link to public procurement. That can really change the way open source is seen in public administrations and offer a lot of potential to small and medium sized providers. You have an important role in shaping Europe’s digital future. Governments cannot simply announce and deliver the digital future. It must come out of an organic and shared responsibility. And I want to build a broad movement for digital action. At the EU we can bring people together, help get rid of obstacles, and occasionally give funding to help in research and development. But the real difference is made by people and communities, like the open source movement.

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Open Source Anbieter halten sich optimistisch bedeckt

Nach dem negativen Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts halten sich die beteiligten Open Source Anbieter vorerst bedeckt. Während im Hintergrund an Strategie und juristischer Analyse gearbeitet wird, äussern sich auf Anfrage nur wenige der Open Source Firmen öffentlich. Aus den eingeholten Statements jedoch wird eines klar: die Unternehmer haben mit ihrer Beschwerde einen mutigen Schritt gemacht, zu dem sie weiter stehen – und in dessen Geist sie sich weiter mit grossem Elan engagieren werden.

Sachliche Überzeugung spricht etwa aus dem Kommentar von Georg Schulthess von Ziil:

«Wir sind nach wie vor der Meinung, dass eine Ausschreibung eines Krankenhauses nicht “Beschaffung eines Opel Notarztwagens” heissen darf und nicht freihändig an Opel vergeben werden darf, weil VW keine Opel Notarztwagen herstellt, sondern VW Notarztwagen.»

Dass mit den Open Source Anbietern weiterhin in jedem Fall zu rechnen ist, legt Peter Ganten, Gründer und Geschäftsführer der Univention, dar:

«Von den alten Römern stammt der Satz “Vor Gericht und auf hoher See sind wir allein in Gottes Hand” – eine Weisheit die uns seefahrenden Handelsleuten hier im Norden schon immer gut – und manchmal auch schmerzhaft bekannt gewesen ist.

Der Satz der Römer sagt uns, dass vor Gericht – und auf hoher See – Vernunft, bestes Handeln und optimale Vorbereitung letztlich  keinen sicheren Schutz davor bieten, Schiffbruch zu leiden. Und so ist es uns Anbietern von Open Source Software in diesem Fall vor Gericht leider gegangen. Dass dieses Ergebnis keineswegs vorhersagbar war, zeigt die Uneinigkeit der Richter
untereinander.

Ob wir nun in die Berufung gehen, werden wir sorgfältig abwägen. In jedem Fall geht von diesem Verfahren das deutliche Signal aus, dass die öffentliche Hand bei vergaberechtswidrigen Aufträgen an proprietäre Anbieter immer mit dem
Einspruch von Open Source Anbietern rechnen muss. Das alleine ist ein grosser Erfolg. Schließlich – und das dürfte auch bei der Verwaltung bekannt sein – kann es im nächsten Verfahren wie bei der nächsten Seereise wieder ganz
anders ausgehen.»

Nicht weniger geradlinig äussert sich Gerhard Andrey, geschäftsführender Partner von Liip:

«Wir werden in jedem Fall einen konsequenten Weg der Innovation gehen und unsere Ansätze für nachhaltige Informationstechnologie weiter entwickeln – und unser Engagement bei der Verwaltung weiter ausbauen».

Beeindruckender Unternehmergeist und der Wille zur konsequenten Entwicklung in Richtung digitaler Nachhaltigkeit  sprechen aus allen der gesammelten Stellungnahmen. Dies sind denn sicherlich auch die Zutaten, die es braucht, um auf dem eingeschlagenen Weg weiterhin erfolgreich zu sein. Erfolgreich auf dem Markt, und im Einsatz für dessen Funktionieren falls nötig vor Gericht.

Offenlegung im Sinne der Transparenz: der Autor ist unter anderem Verwaltungsrat der erwähnten Liip AG.

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Weltwoche: «Gericht schützt denkfaule Beamte»

Der kürzliche Entscheid rund um die fragwürdig freihändige IT-Vergabe der Bundesverwaltung wird in Presse, Blogs und Social Media intensiv und kontrovers diskutiert (NZZ, TSR, OSOR, weitere).  Die «Weltwoche» (siehe Artikel vom 28.04.10) greift dabei das Thema in neuem Zusammenhang auf. Sie schreibt mit spitzer Feder (PDF, Online):

«Der Bund vergab einen 42-Millionen-Auftrag ohne offenen Wettbewerb an Microsoft. Das Bundesverwaltungsgericht findet das in Ordnung. Auf eine Beschwerde von Open-Source-KMU sind die Richter gar nicht erst eingetreten. Das hat System.

Darüber hinaus stellt sie den Entscheid in einen weiteren Kontext:

«Mehrere Beispiele zeigen, dass die Verwaltung immer wieder grosse Aufträge vergibt, ohne Alternativen zu prüfen. Das grenzt an Denkfaulheit und Arbeitsverweigerung. Leidtragende sind meistens KMU, die vom Wettbewerb ausgeschlossen werden. Denn darum geht es letztlich: Faire Verfahren, in denen der Beste gewinnen möge. Ob das dann im Falle von IT-Aufträge Closed- oder Open-Source-Lösungen sind, spielt keine Rolle.
(..)
Wer als Unternehmer oder Privater sein Geld investiert, wird sich kaum mit der erstbesten Offerte zufriedengeben. Er wird Alternativen prüfen und auch langjährige Lieferanten gelegentlich dem Wettbewerb aussetzen. Alleine die drei geschilderten Fälle zeigen, dass Bundesbeamte offenbar anders funktionieren. Sie neigen dazu, Grossfirmen und bestehende Geschäftspartner
zu bevorzugen. Das ist weit weniger aufwendig, als Offerten zu vergleichen. Kostet es etwas mehr, tut das nicht weh – es ist
ja nicht ihr Geld.
(..)
Der Schweizerische Gewerbeverband (SGV) will gegen die “krasse Beamtenwillkür” politisch vorgehen.»

Auch wenn der Artikel gewohnt provokant daherkommt: das Bedauern über den vorzeitigen Abbruch des Verfahrens aufgrund eines Entscheids über die Legitimation zur Beschwerde ist mit dem Verfasser sicherlich zu teilen.

Lesen Sie in Kürze auf diesem Blog die Reaktionen der Beschwerdeführer und weitere News und Analysen zum Urteil – und dessen Konsequenzen.

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42-Millionen Vergabe an Microsoft: Legitimation wurde verneint, Beschwerdeführer und Parlamentarier sind besorgt über den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts

MEDIENMITTEILUNG DER BESCHWERDEFÜHRER

Bern, 6. Juli 2010

Das Bundesverwaltungsgericht lehnt die Legitimation der Beschwerde von Open Source Dienstleistungsfirmen ab, die vor über einem Jahr gegen die nicht öffentlich ausgeschriebene 42-Millionen-Vergabe des Bundes an Microsoft geklagt hatten. Das Präsidium der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit ist besorgt über dieses Zeichen gegen den freien Wettbewerb.

Mit seinem Entscheid lehnt es das Bundesverwaltungsgericht ab überhaupt zu prüfen, ob die Bundesverwaltung berechtigt war, den Auftrag ohne Ausschreibung zu vergeben. Diese Frage wurde nicht beurteilt. Die Beschwerdeführer hatten geltend gemacht, dass der ohne Ausschreibung an Microsoft erteilte 42-Millionen-Auftrag für Betriebssystem und Anwendersoftware hätte öffentlich ausgeschrieben werden müssen.

Der heute an einer öffentlichen Urteilsberatung gefällte Mehrheitsentscheid, bei welchem der referierende Richter überstimmt wurde, könnte den Rechtsschutz gegen ungerechtfertigte Freihandvergaben von Softwareaufträgen in sehr weitem Umfang in Frage stellen. Die für Nichteintreten votierenden Richter hatten argumentiert, die Bundesverwaltung könne frei bestimmen, ob sie die Pflege des bestehenden Software-Systems durch Support Updates und Erweiterungen oder neue Software beschaffen wolle. Auch wenn die schriftliche Urteilsbegründung noch abzuwarten ist, muss befürchtet werden, dass dadurch künftig einmal eingeführte Software eines bestimmten Herstellers anschliessend auf unbeschränkte Zeit und in beliebigem Umfang durch neue Produktversionen ersetzt und auch durch neue Produkte ergänzt werden kann. Vorliegend wurde beispielsweise die bestehende Softwarepalette in grossem Umfang durch Sharepoint-Lizenzen ergänzt. Dies soll laut einer Richterin sogar unabhängig davon gelten, ob die vorhandene Software rechtlich korrekt beschafft wurde, was die Beschwerdeführer in diesem Verfahren bestritten haben. In allen diesen Fällen werden Anbieter von konkurrenzierenden Softwareprodukten künftig gar nicht mehr die Möglichkeit haben, eine Freihandvergabe anzufechten. Erfolglos wies der referierende Richter Marc Steiner auf die drastischen Konsequenzen hin: „Mit diesem Entscheid wird der Markt auf radikalste Weise auf einen einzigen Anbieter eingeschränkt.“

Des weiteren deuteten die Voten der Richtermehrheit daraufhin, dass die Microsoft Produktpalette grundsätzlich als „Technologie“ eingestuft wurde und nicht als Produkt, das technische Funktionen (z.B. grafische Benutzeroberfläche, E-Mail Server, usw.) implementiert. Mit dieser diskussionswürdigen Definition war es denn für das Gericht ein Leichtes zu zeigen, dass die Beschwerdeführer offensichtlich weder Microsoft Produkte-Wartung noch -Lizenzen angeboten hätten – sie konnten ja auch gar nicht, da Microsoft faktisch das Monopol auf entsprechende Enterprise Agreements hat – und damit als nicht zur Beschwerde legitimiert galten.

Das Bundesverwaltungsgericht zementiert nun mit seinem Entscheid die Vormachtstellung von Microsoft und gibt dem Bund praktisch einen Freipass für beliebige freihändige Vergaben von Software-Beschaffungen. Je nach schriftlicher Begründung des Urteils besteht die Gefahr, dass die gesetzlich ausdrücklich geregelten Voraussetzungen für freihändige Vergaben nicht mehr auf dem Rechtsweg überprüft werden können. Ein Interesse an der Überprüfung haben selbstverständlich nur die Anbieter von Konkurrenzprodukten. Deren Recht zur Anfechtung einer Freihandvergabe wäre aber künftig ausgeschlossen. Damit folgt aus dem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts eine ausserordentlich schwerwiegende Einschränkung des Rechtsschutzes im Vergaberecht.

Zusammenfassend konnte somit die Bundesverwaltung heute mittels der Legitimationsfrage erfolgreich verhindern, dass auf die eigentlich interessierenden materiellen Fragen eingegangen werden kann. Ungelöst bleibt die exzessive Anwendung von freihändigen Vergaben in der Informatikbeschaffung, welche stets die strukturelle Benachteiligung von Open Source Lösungen zementiert.

Die Beschwerdeführer werden die Anfechtung dieses Gerichtsentscheids prüfen, denn die Folgen dieses Entscheids könnten für den Schweizer Informatik-Markt gravierend sein. Obwohl die schriftliche Begründung noch abgewartet werden muss, kann aufgrund der heutigen Voten der Richter davon ausgegangen werden, dass künftig eine bestehende Microsoft-Systemlandschaft (oder SAP, Oracle etc.) als Blanko-Cheque nicht nur für künftige Wartungsmandate, sondern auch für unlimitierte Erweiterungen und Lizenzzukäufe verwendet werden kann – und dies auch auf unbeschränkte Zeit. Selbst vergaberechtswidrige Beschaffungen würden dadurch belohnt, dass in der Folge das bestehende System freihändig – also ohne Ausschreibung – erweitert werden könnte und in der Regel niemand mehr ein Recht hätte, dies gerichtlich prüfen zu lassen. Dies würde Tür und Tor für eine willkürliche Informatik-Beschaffung öffnen, das Submissionsrecht der Schweizer Informatikbeschaffung wäre faktisch ausgehebelt. Wird der Entscheid aufrecht erhalten, würde die bereits heute bei den Informatikdienstleistern sprichwörtliche Regel „einmal im Bund, immer im Bund“ juristisch verankert und innovative Firmen mit neuartigen Produktalternativen hätten kaum mehr eine Chance sich dem Wettbewerb überhaupt zu stellen.

Dies macht auch Edith Graf-Litscher besorgt, die Co-Präsidentin der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit: „Mit diesem Entscheid verhindert das Bundesverwaltungsgericht aktiv den freien Wettbewerb im Schweizer Informatik-Markt und unterbindet das öffentliche Beschaffungsrecht. Dass damit die freihändigen Informatik-Beschaffungen noch zunehmen, ist eine falsche Entwicklung, der wir in der Politik entgegen treten werden.“ Und Co-Präsident Christian Wasserfallen fügt an: „Während viele Kantone und Unternehmen auf strategische Projekte mit Open Source Software setzen, stellt sich der Bund gegen Wettbewerb und Innovation. Das ist rechtlich vielleicht knapp korrekt, aber wünschenswert sind Anbieterabhängigkeit, Stillstand und Intransparenz auf keinen Fall. Somit werden wir uns in Zukunft noch stärker auf politischem Weg für eine digital nachhaltige Informatik beim Bund einsetzen.“

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Kick-Off Meeting zu Open Government Data in der Schweiz

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Heute fand in Zürich ein erstes, informelles Meeting zur Thematik Open Government Data in der Schweiz statt. Vertreten waren Experten aus der Wissenschaft, Politik, dem Rechtswesen, der Privatwirtschaft sowie von Organisationen der Zivilgesellschaft: André Golliez (Managing Partner itopia und Initiant informatica08), Dr. Kathy Riklin (Nationalrätin CVP Kt. Zürich und Vorstand SwissICT), Dr. Christian Laux (Anwalt bei Bratschi Wiederkehr & Buob und Creative Commons-Experte), Prof. Dr. Reinhard Riedl (Kompetenzzentrum E-Government der Berner Fachhochschule), Beat Estermann (Leiter TAO-Projekt der Berner Fachhochschule und Mitglied Digitale Allmende), Hannes Gassert (Gründer Liip AG, Experte Semantic Web und Vorstand /ch/open) sowie Dr. Matthias Stürmer (Geschäftsleiter Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit und Vorstand /ch/open).

Eröffnet wurde die Sitzung durch eine eingehende Diskussion über die aktuellen Entwicklungen, internationalen Initiative und ausländischen Projekten in den Bereichen Open Government Data. Fazit dieses Gespräch war, dass in der Schweiz durch das Öffentlichkeitsgesetz (BGÖ) zwar die rechtlichen Grundlagen gelegt sind, jedoch wegen dem ‘Hol-Prinzip’ faktisch kaum eine öffentliche Institution Anreize hat, pro-aktiv ihre Daten zu veröffentlichen. Die bisher verfügbaren Formulare zur Beschaffung von öffentlich einsehbaren Dokumenten (siehe z.B. “Zugang zu amtlichen Dokumenten beim Bundesamt für Sozialversicherungen”) entsprechen bei weitem nicht den 8 Open Government Data Principles.

Beschlossen wurde, dass in der Schweiz künftig über die Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit die Thematik Open Government Data koordiniert und weiterverfolgt werden soll. Mit den bestehenden Wirkungsbereichen der Parlamentarischen Gruppe “Open Content” und “Open Access” ist dies ein weiterer Schritt Richtung ganzheitlichem Verständnis der Digitalen Nachhaltigkeit.

Für die nächste Sitzung soll eine Inventarisierung der verfügbaren bzw. noch nicht zugänglichen Behörden-Datenbestände in Angriff genommen werden. Des weiteren soll ein Positionspapier erarbeitet werden, in dem die kurz-, mittel- und langfristigen Ziele dieser informellen Arbeitsgruppe der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit festgehalten werden. Auch sollen die unterschiedlichen Organisationen bis dahin kurz zusammenfassen, an welchen Daten sie Interesse haben und was sie damit bezwecken möchten. Weitere Ideen wie die Organisation eines BarCamps zum Thema Open Government Data, der Sammlung oder Erarbeitung von Fallstudien aus dem Ausland sowie einem Wettbewerb für Applikationen, die öffentlichen auf innovative Weise verwenden, wurden angesprochen.

Die kommende Sitzung im September 2010 soll bewusst offen gestaltet werden. Interessierte können sich auf info@digitale-nachhaltigkeit.ch melden um künftig die Einladungen für solche Meetings zu erhalten.

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Open Data und die Schweiz: Und wie steht es um das Wetter?

Für die Offenlegung staatlich produzierter Daten spricht vieles. Doch vielenorts weckt das Potential auch Befürchtungen. Hier gilt es, die jeweilige Situation im Detail anzuschauen – neu am Beispiel der nationalen Wetterdaten.

Denn auch wenn zu unterscheiden ist zwischen Kerndaten politischer Prozesse (Abstimmungsresultate, Stimmverhalten von Abgeordneten, Budgets..), im öffentlichen Auftrag erfassten Daten (Kartenmaterial (siehe Vorstoss), Volkszählungen, ..) und Daten über die Leistungserbringung der öffentlichen Hand (Fallzahlen, Abrechnungen, ..): das öffentliche Interesse an Transparenz und der inhärente Charakter dieser Daten als öffentliche Güter legen fast immer eine Veröffentlichung nahe.

Da digitale Mittel nicht nur die Publikationskosten auf ein Minimum reduziert haben, sondern den Wert öffentlicher Daten durch die Möglichkeit zu einfachem Durchsuchen, Analysieren, Verlinken, und Zitieren gegenüber eine Papierpublikation auch multipliziert haben, haben viele Staaten seit geraumer Zeit entsprechende Anlaufstellen – «Open Data» ist für alle Staatsgewalten ohne Zweifel zukunftsweisend.

Für die Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit dürfte diese Art von Nachhaltigkeit durch digitale Mittel für die kommenden Sessionen mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Die diversen Initiativen wie publicequalsonline.com oder data.gov aus den USA und weitere internationale Projekte werden derzeit entsprechend eng beobachtet, weitere Schritte werden diskutiert.

Bereits vor einigen Tagen hat nun Kathy Riklin (Nationalrätin CVP Kanton ZH) mit einer Interpellation an den Bundesrat eines der Themen aufgegriffen, das in der Schweiz verschiedensten Seiten ein Anliegen ist: offene Meteodaten. Die Interpellation stellt die folgenden Fragen – auf die Antworten darf man gespannt sein.

  1. Sieht der Bundesrat die Möglichkeit, die schweizerischen meteorologischen und klimatologischen Daten gebührenfrei zur Verfügung zu stellen, ohne den Informationsauftrag und die wissenschaftliche Tätigkeit von MeteoSchweiz zu schmälern?
  2. Wie hoch sind die jährlichen Einnahmen aus gebührenpflichtigen Daten und in welchem Verhältnis stehen sie zum durch die Gebührenerhebung verursachten Zusatz-Aufwand? Ist der Bund gewillt, die Kosten der Liberalisierung zu übernehmen?
  3. Ist der Bundesrat nicht auch der Meinung, dass eine Wissensgesellschaft wie die Schweiz selbst erhobene naturwissenschaftliche Daten frei zugänglich und gebührenfrei auf dem Internet zur Verfügung stellen sollte?
  4. Teilt der Bundesrat die Meinung, dass durch die kostenlose Zurverfügungstellung von wissenschaftlich erhobenen Daten, deren Nutzung vermehrt wird und damit ihr volkswirtschaftlicher Nutzen steigt?

Der volle Text der Interpellation findet sich wie immer unter digitale-nachhaltigkeit.ch/vorstoesse/.

Da uns dieses Thema in diesem Blog weiter begleiten wird folgende Fragen: Wie schätzen Sie die Bedeutung von «Open Data» in unserer direkten Demokratie ein? Welche relevanten und offen online verfügbaren Schweizer Datenquellen kennen Sie? Und wo wünschen Sie sich mehr?

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