Zürcher “Volksabstimmung” zu Open Government Data

ezh

Nicht nur international, sondern auch sehr lokal geschieht derzeit einiges in Sachen Open Government Data – die zentrale Rolle transparenter IT in für Demokratien des 21. Jahrhunderts wird klarer und klarer. Das Thema wurde von /ch/open denn auch für den Ideenwettbewerb eZürich aufgegriffen, womit sich erstmals die Möglichkeit ergibt, in der Schweiz für Open Government Data abzustimmen.

Die Wettbewerbseingabe schlägt die Schaffung einer Plattform für die offene und transparente Bereitstellung sowie die innovative und kreative Nutzung elektronischer Daten der Stadtverwaltung vor,  in Ahnlehnung an die Vorreiter in London oder San Francisco.

Die Abstimmung ist für alle offen und in nur 2 Schritten erledigt:

  1. Benutzername und Passwort registrieren
  2. Eingabe Open Government Data Plattform für Zürich mit 5 Sternen bewerten

Jede Stimme zählt, und jeder Kommentar bringt uns weiter!

digitale-nachhaltigkeit.ch bedankt sich für die Teilnahme – und gratuliert Zürich zur Initiative und zum Einsatz einer Open Source Plattform für den Ideenwettbewerb!

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Open Government Data Camp in London – Britische Regierung publiziert ab sofort alle Ausgaben über 25’000 £

http://blog.zeit.de/open-data/files/2010/11/timberneslee_nov2010.jpgTim Berners-Lee spricht am Open Government Data-Anlass der britischen Regierung in London (19.11.2010)

Aus Anlass des Open Government Data Camp 2010, das am 18. und 19. November in London stattfand, hat der britsche Premierminister David Cameron in einer Videobotschaft angekündigt, dass ab sofort die Ausgaben aller Ministerien über 25.000 Pfund als OpenData auf data.gov.uk veröffentlicht werden.  Sir Tim Berners-Lee, der “Erfinder” des World Wide Web, erläuterte anschliessend die Bedeutung von Open Government Data im internationalen Kontext. Zusammen mit Francis Maude, dem Minister für Kabinettsangelegenheiten, Rufus Pollock, Direktor der Open Knowledge Foundation, und weiteren Mitgliedern berät Tim Berners-Lee im Rahmen des Public Sector Transparency Board die Britsche Regierung in Sachen Open Government Data.

Mit knapp 300 Teilnehmer aus über 30 Ländern ermöglichte das von der Open Knowledge Foundation hervorragend organisierte Open Government Data Camp 2010 einen äusserts lebendigen Einblick in den aktuellen Stand dieser Bewegung. Politische, rechtliche, technische, wirtschaftliche und soziale Fragen kamen in erfrischend kurz gehaltenen Key Notes sowie an zahlreichen parallelen Workshops kontrovers zur Sprache. Das fachliche Niveau war beeindruckend hoch und zeigte deutlich, dass Open Government Data in verschiedenen Ländern, allen voran in den USA und in UK, nicht erst seit gestern ein beachtetes Thema ist. Open Government Data führt zu einer neuartigen Kooperation zwischen Regierungen, Verwaltungen, Medienschaffenden und insbesondere kreativen Softwareentwicklern, vorzugsweise aus der Open Source Community, im Interesse einer breiten Öffentlichkeit. Das grosse Innovations- und Kreativitätspotenzial, welches in Open Government Data steckt, zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltungen des Camps und war geradezu physisch spürbar.

Die Schweiz war am Open Government Data Camp nicht offiziell vertreten – es hätte ja auch nicht sehr viel zu berichten gegeben.  Wir stehen sehr am Anfang und es wird einige Anstrengung brauchen, Open Governement Data auch hierzuande zu einem Thema zu machen und das schlummernde Innovationspotenzial auf diesem Gebiet zu wecken. Rufus Pollock und Jonathan Gray, beide von der Open Knowledge Foundation,  haben mir zum Abschied ihre Unterstützung bei der Initialisierung der Open Government Data Bewegung in der Schweiz zugesichert, und so verliess ich London nach einem erlebnisreichen und inspirierenden Tag voller Zuversicht, dass die Schweiz  in einigen Monaten  nicht mehr ein weisser Fleck auf der globalen  Open Government Data Landkarte sein wird…

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Google klagt gegen US-Regierung wegen 59 Millionen Dollar Vergabe an Microsoft

Google wirft dem US-amerikanischen Innenministerium vor, die Ausschreibung eines neuen E-Mail- und Groupware-Systems auf ein Produkt von Microsoft zugeschnitten zu haben. Mit Klage an den United States Court of Federal Claims möchte der Internetdienstleister die Aufhebung der Ausschreibung erzwingen.

US-Court-of-Federal-Claims

Anlass zur Klage gab gemäss Google die Vergabe eines 59 Millionen Dollar schweren 5-Jahres-Auftrages für 88’000 Arbeitsplätze. So habe das US-Innenministerium bewusst die Ausschreibung vom 30. August 2010 auf das Produkt “Business Productivity Online Suite Federal” von Microsoft zugeschnitten. Google berichtet, mehrere Versuche unternommen zu haben, um mit dem Innenministerium über den anstehenden Auftrag zu sprechen. Trotz Versprechungen aus dem Ministerium, die Ausschreibung komplett offenzuhalten, habe sich herausgestellt, dass die Spezifikationen allein von Microsofts Produkt erfüllt werden.

Bereits im September hat sich Google beim US-Rechnungshof erfolglos über die Ausschreibung beklagt, nicht zuletzt, weil die Regierung nach einem Produkt verlange, welches ausschliesslich auf Behörden zugeschnitten sei, obwohl Google Apps eine gute Alternative zu Microsoft-Produkten biete.

Auch in der Schweiz besteht aktuell eine ähnliche vergaberechtliche Beschwerde. So akzeptieren diverse Open Source Dienstleistungsfirmen nicht den Entscheid vom Bundesverwaltungsgericht wegen der nicht öffentlich ausgeschriebenen 42-Millionen-Vergabe an Microsoft durch den Bund. Die Beschwerdeführer haben das Urteil an das Bundesgericht weitergezogen.

Weiterführende Links zum Thema:
heise: Google wirft US-Regierung Bevorzugung von Microsoft-Produkten vor
ZD Net: Google sues U.S. government over hosted e-mail bid against Microsoft

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Open Source Software für den Technologie-Transfer des CERN

Das Open Source Software Entwicklungs-Modell spielt am CERN eine wichtige Rolle für den Technologie-Transfer von Forschung zur Wirtschaft. An einem internationalen Workshop referierten zahlreiche Experten über Chancen und Herausforderungen sowie künftige Szenarien zum Einsatz und der Weiterentwicklung von Open Source Software.

cern

Am CERN - in der Internet-Szene vorwiegend bekannt wegen dem Ursprung des World-Wide-Web - betreiben Physiker von Weltrang seit über 50 Jahren Grundlagenforschung im Bereich der Teilchenphysik. Mit über 8000 Forschern aus der ganzen Welt und einem Budget von über einer Milliarde Schweizer Franken werden unter anderem Experimente mit Hilfe des berühmten Large Hadron Colliders (LHC) durchgeführt. Für die Messung und Analyse dieser Experimente wird am CERN Software entwickelt und eingesetzt, die riesige Datenmengen verarbeiten und speichern kann. Eine davon ist die Open Source Software ROOT, ein Datenanalyse-Framework, das unterdessen als Data Mining Software in vielen anderen Forschungseinrichtungen und zunehmend auch im Finanzsektor angewendet wird.

Um diesen Technologie-Transfer von der Forschung in die Wirtschaft künftig noch zu verstärken, hat das Knowledge & Technology Transfer Office am CERN in Genf vergangene Woche einen internationalen Workshop zum Thema Open Source Software veranstaltet. In rund 20 Referaten präsentierten Software-Entwickler des CERN ihre Projekte und referierten externe Experten über fachliche Vertiefungen im Bereich Open Source Software:

Software constitutes an important share of PP [particle physics] developments. Open Source Software (OSS) licences are generally the preferred conditions for users and developers to access the PP community’s codes because these licences offer a suitable environment for the development of large and complex software with appropriate reliability and robustness. However, in terms of commercial exploitation, the OSS scheme suffers from several critical aspects. In order to analyse the situation, the TT Network organises a workshop at CERN on October 21 addressing issues related to the use of open source software for academic and commercial purposes on the basis of practical cases presented by the Nodes. Industry representatives are invited to present their experience in using OSS, engineers from important software institutions to present their experience in TT with OSS and legal experts to address the different OSS licences as well as the mechanisms for doing business with this software. Conclusions and key lessons learned will be the subject of a report to be circulated to the KTT Offices of the PP community.

Das vollständige Vortrags-Programm, die Rednerliste sowie alle Folienpräsentationen als PDF sind auf der CERN-Website verfügbar. Unter anderem konnte Dr. Matthias Stürmer, Geschäftsleiter der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit und Senior Advisor bei Ernst & Young, ein Referat zu “Open Source Community Building by Firms and Institutions” halten:

Open Source Software bildet ein zentraler Bestandteil der Wissenstransfer-Strategie des CERN. So ist in der Technology Transfer Policy des CERN explizit die Veröffentlichung von Software unter Open Source Lizenzen empfohlen: (Auszug)

4.1.5 Software
For software developments that are owned in whole or in part by CERN, CERN favors the open source approach.
Exceptions can be made where there is a good reason not to put the software development under open source conditions at a given time. Alternatively a dual licensing scheme can always be considered.

 

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Beschwerde wegen 42-Millionen Vergabe an Microsoft geht ans Bundesgericht

MEDIENMITTEILUNG DER BESCHWERDEFÜHRER

Bern, 8. Oktober 2010

Wegen gravierenden Folgen für den Schweizer IT-Markt und die gesamte öffentliche Beschaffung haben die Beschwerdeführer gestern das Urteil wegen der 42-Millionen-Vergabe an Microsoft ans Bundesgericht weitergezogen. Mitglieder der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit kommentieren diesen Entscheid unterschiedlich.

Das Bundesverwaltungsgericht hat im Urteil vom 6. Juli 2010 entschieden, dass die Beschwerde gegen die 42-Millionen-Vergabe des Bundes an Microsoft nicht legitimiert sei und somit die materiellen Fragen nicht geprüft werden. Weil die Bundesverwaltung schon ältere Versionen von Microsoft-Produkten (Windows XP, Office 2003 etc.) im Einsatz hatte, wäre sie durch dieses Urteil befugt, ohne jegliche zeitliche und mengenmässige Limitierung die jeweils neuesten Softwareversionen ohne öffentliche Ausschreibung zu beschaffen. Die Verwaltung könnte zudem weitere Microsoft-Software zur Ausrüstung zusätzlicher Arbeitsplätze und Server freihändig erwerben und könnte auch für vollständig neue Software verlangen, dass sie in die Microsoft-Umgebung passt. Dies wäre alles legal und unanfechtbar, obwohl die vorhandene Software nicht beschaffungsrechtskonform erworben wurde.

In anderen Worten hiesse dies, dass öffentliche Verwaltungen und verwaltungsnahe Unternehmen künftig sämtliche bestehende Software – sei sie nun von Microsoft, SAP, Oracle oder sonst einem Anbieter – auf unbegrenzte Zeit beliebig erweitern und ausbauen können. Somit wäre die einengende Herstellerabhängigkeit von proprietärer Software nun auch noch gerichtlich legalisiert. Freihändige Vergaben würden zum „Courant Normal“ in der IT-Beschaffung werden, denn die Informatik-Strategie stünde faktisch über dem Beschaffungsgesetz.

Die Rechtsfrage ist aber auch von grundlegender Bedeutung für die gesamte öffentliche Beschaffung in der Schweiz, denn das Urteil könnte weit über die Thematik Open Source Software angewendet werden. Überall, wo öffentliche Verwaltungen technologische Abhängigkeiten sähen, wären fortan viele freihändige Vergaben zu erwarten. Durch das aktuelle Urteil wären andere Anbieter nicht einmal mehr befugt, eine gerichtliche Prüfung des Beschaffungsentscheids zu beantragen. Der Beschaffungs-Willkür der Verwaltung wären keine Grenzen mehr gesetzt.

So könnten unter Umständen beispielsweise die SBB künftige Wartungs- und Ausbauarbeiten der neuen Zugkompositionen von Bombardier beliebig lange dem selben kanadischen Konzern freihändig Aufträge vergeben. Unternehmen wie die Stadler Rail hätten nicht einmal mehr die Chance Beschwerde dagegen einzureichen. Die SBB könnte mit Verweis auf das aktuelle Urteil des Bundesverwaltungsgericht begründen, dass sie technisch abhängig sei von Bombardier und kein anderer Anbieter das geforderte Know-How liefern könnte.

Aus all diesen Gründen haben die Beschwerdeführer nun gestern Berufung gegen das Urteil eingelegt und den Entscheid ans Bundesgericht weitergezogen. Politiker aus verschiedensten Parteien kommentieren diesen Entscheid:

Edith Graf-Litscher, Nationalrätin der SP im Kt. Thurgau und Co-Präsidentin der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit, befürwortet den Gang ans Bundesgericht: „Dies ist ein Fall von grundlegender Bedeutung für den IT-Standort Schweiz. Das aktuelle Urteil des Bundesverwaltungsgerichts würde Tür und Tor für noch mehr freihändige Vergaben öffnen. Deshalb befürworte ich, dass die Beschwerdeführer nicht auf halbem Weg aufgeben sondern den Schritt ans Bundesgericht wagen. Gleichzeitig pflegen wir von der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit weiterhin den offenen und konstruktiven Dialog mit der Bundesverwaltung damit mehr faire, öffentliche Ausschreibungen stattfinden.“

Nationalrat der FDP.Die Liberalen und Co-Präsident der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit Christian Wasserfallen meint kritisch: „Ich akzeptiere zwar den Entscheid der Beschwerdeführer, das Urteil ans Bundesgericht weiterzuziehen. Statt aber weiterhin auf dem Rechtsweg zu marschieren, wird es umso wichtiger sein, auf politischem Weg gleich lange Spiesse für Open Source Software einzufordern. Der Wille beim Bund muss immer noch gestärkt werden, Open Source Dienstleister als gleichberechtigte Anbieter zu berücksichtigen.“

Alec von Graffenried, Nationalrat der Grünen Kt. Bern und Gründungsmitglied der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit, findet den Weiterzug ans Bundesgericht notwendig: „Ich wurde überrascht vom Nichteintreten des Bundesverwaltungsgerichtes. Ich begrüsse es daher, dass das Bundesgericht schon nur über die Frage entscheidet, ob nicht aussenstehende Konkurrenten eine freihändige Vergabe anfechten können. Diese Frage kann man durchaus anders sehen als das Bundesverwaltungsgericht.“

Thomas Weibel, Nationalrat der Grünliberalen und Gründungsmitglied der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit, sieht den freien Markt bedroht: „Als Grünliberaler ist es mir wichtig, dass der Markt funktioniert und gesunder Wettbewerb mit Chancengleichheit herrscht. Mit dem aktuellen Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts wird die öffentliche Beschaffung faktisch ausgehebelt. Deshalb hoffe ich, dass das Bundesgericht das Urteil korrigieren wird.“

Kontakt
Dr. Matthias Stürmer
Vorstandsmitglied Swiss Open Systems User Group /ch/open
matthias.stuermer@ch-open.ch, +41 76 368 81 65

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Erster Roundtable zwischen Kaderpersonen der öffentlichen Verwaltung und der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit

besuchbitrechenzentrum

Die Teilnehmenden des Roundtable-Meetings bei der Besichtigung des Rechenzentrums des BIT

Gestern fand der am Parlamentarier-Dinner im März 2010 angekündigte Roundtable zwischen Kaderpersonen der öffentlichen Verwaltung und Mitgliedern der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit statt. Die anwesenden Schlüsselpersonen aus Politik und Behörden diskutierten die Möglichkeiten und Herausforderungen für den vermehrten Einsatz von Open Source Software und Open Standards in der öffentlichen Verwaltung.

Ausgehend von positiven Beispielen aus Europa (z.B. der Migrations-Leitfaden aus Deutschland, das Open World Forum 2010 in Paris oder der 17-Punkte-Aktionsplan der Niederländischen Behörden) wurde das Defizit bezüglich Open Source Adoption bei Schweizer Behörden thematisiert und analysiert. Generell hat die Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit vier Gründe identifiziert, weshalb Open Source Lösungen gegenüber proprietärer Software immer noch nicht die gleich langen Spiesse haben: 1. Bestehende Abhängigkeiten von Software-Herstellern, 2. Open Source hat keine Marketing-Abteilung, 3. Dezentrale Communities und oft kleine Dienstleistungs-Firmen und 4. Problem des kollektiven Handelns (collective action).

Ausgehend von der anschliessend besprochenen Strategie-Matrix der Politiker hat die Parlamentarier-Gruppe zum Abschluss vorgeschlagen, ein breit abgestütztes Open Source Advocacy Board zu gründen um eine Open Source Förderstrategie Schweiz zu formulieren, eine gemeinsam finanzierte Stelle zu schaffen und diese Person mit den notwendigen Ressourcen auszustatten um die neue Open Source Strategie umzusetzen, Studien zu Auswirkungen des vermehrten Einsatzes von Open Source durchführen zu lassen, Erfahrungen zu bündeln, Anlässe zu veranstalten, Fachgruppen zu betreuen, internationale Kontakte zu pflegen etc.

Dieser umfassende Vorschlag wurde von den teilnehmenden Behörden entgegen genommen und soll in der nächsten Zeit gemeinsam weiterverfolgt werden. Als weiteres Resultat des Roundtable-Meetings konnten diverse andere, konkrete Ideen zur Förderung von Open Source Software in der Schweiz besprochen werden. Diese Vorhaben sollen über die neu geknüpften Kontakte in den nächsten Wochen weiter ausgearbeitet und umgesetzt werden. Alles in allem kann somit von einem erfolgreichen, ersten Treffen gesprochen werden, das die Politiker und Behördenvertreter näher zusammengebracht hat.

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Willkürlicher Entscheid des Solothurner Regierungsrates gegen Linux

MEDIENMITTEILUNG
SWISS OPEN SYSTEMS USER GROUP /CH/OPEN

Zürich, 20. September 2010

Obwohl die Solothurner Regierung noch im letzten Monat ihre positive Haltung zum Linux-Projekt der kantonalen Verwaltung öffentlich bekräftigte, hat sie letzte Woche ihre Strategie überraschend über den Haufen geworfen und sich plötzlich für Windows ausgesprochen. Dabei hat sie entgegen den Empfehlungen der von ihr selber beigezogenen IT-Experten entschieden. Die Swiss Open Systems User Group /ch/open stellt diesen willkürlichen Entscheid in Frage. Sie fordert als gesamtschweizerischer Verein für die Förderung von offenen Systemen den Regierungsrat auf, alle Einzelheiten ihrer Urteilsfindung bekannt zu geben und ein allfälliges Nachfolge-System im Rahmen einer korrekten öffentlichen Ausschreibung zu beschaffen.

Kurzer Rückblick: Die Informatikstrategie des Kanton Solothurns wurde 2001 vom Kantonsrat abgesegnet, in allen Behörden auf Linux umzustellen. Das Projekt Linux-Desktop wurde vom Regierungsrat im September 2006 definitiv beschlossen. Noch im vergangenen August 2010 bestätigte die Solothurner Regierung das Festhalten an der Linux-Strategie. Und nun berichtete die Solothurner Zeitung vergangene Woche am 15. September 2010, dass der Regierungsrat sich dennoch anders entschieden hätte. Der Linux-Desktop müsse weichen, alle kantonalen PCs müssten flächendeckend unter Windows 7 laufen. Völlig unklar bleiben die vermutlich massiven Kostenfolgen dieses plötzlichen Entscheids.

Bis 2010 resp. 2011 hätten sämtliche 2000 Solothurner Verwaltungsangestellte mit Rechnern unter Open Source Software (OSS) arbeiten sollen. Das Projekt stand nur wenige Monate vor dem Abschluss der Migrationsarbeiten: Bis dato wurde auf 1300 PCs unter Linux gearbeitet und bei den restlichen Computern war alles für den Linux-Einsatz vorbereitet.

Das weitgehend erfolgreiche, pionierhafte Linux-Projekt wurde jedoch verschiedentlich hinterfragt. Dazu zählten die Finanzkontrolle, vereinzelte unzufriedene Anwender und parlamentarische Vorstösse. In einer Interpellation vom 23. Juni 2010 unter dem Titel „Linux-Strategie am Ende?“ fragte die Fraktion CVP/EVP/glp im Zusammenhang mit dem Abgang des Chefs des für die Migration zuständigen Kantonalen Amts für Informatik und Organisation (AIO), Kurt Bader, den Regierungsrat, ob es denkbar sei, sich von Linux zu verabschieden. Die Antwort vom 10. August 2010 in Form eines Regierungsratsbeschluss auf Frage 17 lautete:

„Die Experten empfehlen, die bisher gewählte Ausrichtung auf offene Systeme und Linux nicht zu ändern, sondern nur die bisher gewählte Art und Weise der Umsetzung der Linux-Desktop Strategie zu korrigieren. Gemäss Aussagen der Experten entspricht die Ausrichtung auf eine Öffnung im Bereich des IT-Arbeitsplatzes, wie sie vom Kanton Solothurn angestrebt wird, den allgemeinen Entwicklungstendenzen in der IT-Branche. Eine ‘Verabschiedung’ von Linux wäre gemäss Aussagen der Experten als Rückschritt einzustufen. Diese Empfehlung erachten wir als fundiert begründet und nachvollziehbar, weshalb eine Strategieänderung nicht in Erwägung gezogen wird.“

Es ist unbestritten, dass es bei diesem aufwendigen Migrationsprojekt Verzögerungen bei der Umsetzung gab, gewisse Software-Probleme auftraten und einige Mitarbeiter unzufrieden mit der neuen Benutzerschnittstelle waren – aber dies auch nicht mehr als in vergleichbaren Projekten dieser Grössenordnung. Als geradezu perfid sind Anschuldigungen, die wichtigsten Vorteile von einem Linux-Einsatz in Abrede zu stellen. So wurde öffentlich verschiedentlich die Aussage des für die Migration zuständigen AIO in Zweifel gezogen, mit dem Einsatz von Linux liesse sich pro Jahr mindestens 1 Mio. Franken sparen. Die Gutachter des Regierungsrats zumindest erachteten die bisher geschätzten Einsparungen von 1 bis 1,5 Mio. Franken jährlich aber als völlig plausibel.

Obwohl die neuen Kostenfolgen vom Regierungsrat nicht beziffert werden, sollen nächstes Jahr alle kantonalen Desktop-Rechner komplett auf Windows 7 umgestellt werden – dies offenbar ohne öffentliche Ausschreibung. Der Deutsche Online-Dienst Heise kommentierte letzten Donnerstag, dass die Kehrtwende der Regierung ausgerechnet jetzt erfolge, wo das grösste Migrationsproblem vom Tisch sei. Ob die Öffentlichkeit diesen Schritt auch dann noch honoriere, so der Heise-Artikel weiter, wenn die Kosten der Re-Migration bekannt würden, bleibe abzuwarten.

Dieser Schlussfolgerung kann sich die /ch/open nur anschliessen. Sie fordert erstens eine lückenlose Offenlegung aller Hintergründe, die zum letztwöchigen, entgegen den Ratschlägen der eigenen IT-Experten gefällten Entscheid des Regierungsrats geführt haben. Zweitens verlangt die /ch/open, dass ein allfälliges Nachfolge-Betriebssytem im Rahmen einer rechtmässigen öffentlichen Ausschreibung mit funktionalen Anforderungen und ohne Nennung von Produkt- und Herstellernamen beschafft wird.

Kontaktperson /ch/open
Dr. Matthias Stürmer
matthias.stuermer@ch-open.ch, +41 76 368 81 65
Vorstandsmitglied Verein Swiss Open Systems User Group /ch/open
Postfach 2322, CH-8033 Zürich, http://www.ch-open.ch

Medienreaktionen

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Zweites Meeting zu Open Government Data in der Schweiz

Nach dem Kick-Off Treffen im Juli 2010 fand diese Woche in Zürich zum zweiten Mal ein informelles Meeting zum Thema Open Government Data in der Schweiz statt. Vertreten waren wiederum Experten aus Wissenschaft, Politik, dem Rechtswesen sowie von Organisationen der Zivilgesellschaft.

Neben den bisherigen Teilnehmern haben sich Prof. Dr. Toni Gunziger (Vorsitzender Verwaltungsrat super computing systems), Prof. Dr. Jörn von Lucke (Deutsche Telekom Institute for Connected Cities TICC, Zeppelin University gGmbH), Prof. Dr. Alain Sandoz (Professeur associé, institut d’informatique, Université de Neuchâtel), Dr. Hartwig Thomas (Geschäftsleiter und Programmierer Enter AG), Adrian Gschwend (netlabs.org) sowie Pascal Mainini der Expertengruppe angeschlossen.

Ein Austausch über die letzten Aktivitäten seit dem ersten Meeting ergab, dass sich vielerorts Projekte im Bereich Open Government Data in der Startphase befinden bzw. bereits erfolgreich durchgeführt und weiterverfolgt werden (siehe bspw. geo.admin.ch, das Geoportal des Bundes). Besonders erfreulich ist die Mitteilung, dass durch den Kontakt mit der britischen Stiftung Open Knowledge Foundation die Verbindung ins internationale Netzwerk der Open Government Data-Promotoren hergestellt werden konnte.

Betreffend der Inventarisierung der verfügbaren bzw. noch nicht zugänglichen Behörden-Datenbestände wurde festgestellt, dass verschiedene Stellen beim Bund über die Fähigkeit zur Erstellung solcher Verzeichnisse verfügen. Somit liegt es nahe, dass die Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit mit der Bundeskanzlei, dem Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten, dem Bundesarchiv und weiteren Stellen der Bundesverwaltung in Kontakt tritt, um eine Inventarisierung der bereits veröffentlichten oder für eine Veröffentlichung in Betracht kommenden Datenbestände des Bundes zu besprechen. Das Verzeichnis dieser Datenbestände sowie die zugehörigen Zugangsinformationen sollen so rasch wie möglich im Stile von www.data.gov über eine offizielle Website des Bundes publiziert werden.

Weiter wurde die Strategie-Matrix der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit präsentiert, in der auch die Ziele der Arbeitsgruppe Open Government Data aufgeführt sind. Zusätzlich wurde auch auf die Open Government Data Principles der Sunlight Foundation hingewiesen, die inzwischen von einst 8 zu 10 Prinzipien (9. Permanence; 10. Usage Costs) erweitert wurden. Die Teilnehmer sind sich einig, möglichst bald (Januar oder Februar 2011) ein Event, etwa in der Form eines BarCamps, zum Thema Open Government Data zu organisieren. Dadurch soll die Zusammenarbeit von Politik, Behörden, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Kultur im Bereich Open Government Data angestossen werden. Zu diesem Zweck hat sich aus den Teilnehmenden ein „Event-Komitee“ gebildet.

Die nächste und letzte Sitzung in diesem Jahr soll Mitte November stattfinden und wiederum offen gestaltet werden. Interessierte können sich über info@digitale-nachhaltigkeit.ch auf der neuen Mailing Liste OpenGovernmentData@digitale-nachhaltigkeit.ch anmelden um künftig die Einladungen für die Meetings der Arbeitsgruppe zu erhalten.

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Open Work Place, der Open Source Desktop für KMUs ist lanciert

Diesen Dienstag, 14. September 2010 wurde im Verkehrshaus Luzern der Open Work Place lanciert, ein Open Source Desktop ‘aus der Steckdose’ für KMUs.

Dr. Matthias Stürmer, Geschäftsleiter der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit und Senior Advisor bei Ernst & Young, hat zu Beginn eine Einführung in das Thema Open Source gegeben:

Anschliessend wurde die neue ‘Open-Source-as-a-Service’ Desktop-Lösung Open Work Place im Detail vorgestellt. Der Bericht von Maurizio Minetti auf inside-it.ch fasst die innovative Dienstleistung wie folgt zusammen:

Jetzt kommt der Open-Source-Arbeitsplatz “als Service”

Der Microsoft-Gold-Partner Leuchter Informatik gründet eine neue Firma, die einen kompletten, virtualisierten PC-Arbeitsplatz auf Basis von Open-Source-Software lanciert. Der “Open Work Place” erinnert stark an Swisscoms “One Workplace”.

Einige bekannte Gesichter aus der Schweizer Open-Source-Szene waren gestern im Luzerner Verkehrshaus zugegen. Grund war die Lancierung des “Open Work Place”, eines virtualisierten Arbeitsplatzes auf Basis von Open-Source-Software. Gemäss Daniel Jäggli (Foto), CEO des im vergangenen März gegründeten gleichnamigen Unternehmens, ist ein solcher Arbeitsplatz rund 30 Prozent günstiger als ein klassischer, selbst betriebener PC-Arbeitsplatz. Jäggli ist zugleich Chef des Microsoft-Gold-Partners Leuchter Informatik. Die Open Work Place AG gehört 21 Aktionären, wovon 14 Leuchter-Mitarbeitende sind.

Der “Open Work Place” läuft komplett virtualisiert auf HP-Hardware in einem Rechenzentrum von Leuchter in Luzern und beinhaltet unter anderem die Open-Source-Lösungen Ubuntu, OpenOffice, Zimbra OpenProj, Gimp und Scribus. User können unabhängig vom Endgerät (das bei Bedarf bei Leuchter gekauft werden kann) darauf zugreifen, vorerst nur über einen VPN-Client. Später soll es auch einen Web-Client geben. Diverse Hochschulen arbeiten an der Entwicklung eines solchen, sowie unter anderem an der “Verschweizerung” von Open-Source-Geschäftssoftware, die später ebenfalls Teil des Pakets werden sollen. Heute werden die bei den Kunden bestehenden ERP- und CRM-Lösungen über ein virtualisiertes Windows laufen gelassen.

Da war doch was
Die Idee eines kompletten PC-Arbeitsplatzes “on demand” oder “als Service” ist an sich nicht neu. Bisherige Bemühungen verschiedener Unternehmen scheinen aber von wenig Erfolg gekrönt. Die Teilnehmer der gestrigen Veranstaltung waren sich jedenfalls sicher, dass es so ein Angebot – vor allem auf Basis von Open-Source-Software – bisher in der Schweiz noch nie gab. Tatsächlich lancierte Swisscom bereits vor knapp drei Jahren den “One Workplace”, der nicht nur ähnlich heisst, sondern auch sozusagen als Inspirationsquelle für den “Open Work Place” diente, wie gestern am Rande der Veranstaltung zu erfahren war. Leuchter war vor drei Jahren offizieller Partner von Swisscoms “One Workplace”.

Es gibt – abgesehen von gewissen Details – zwei Hauptunterschiede: Swisscom setzt auf Microsoft-Software, der “Open Work Place” hingegen komplett auf quelloffene Software. Swisscom hat vor allem Firmen mit zwischen rund 30 bis 250 Arbeitsplätzen im Visier, während das gestern lancierte Angebot eher für kleine Firmen konzipiert ist. Der typische Zielkunde sei ein KMU mit fünf bis 50 Arbeitsplätzen, hiess es gestern. Der Pilotkunde, die Textilwerke AG in Root, hat ein Dutzend Arbeitsplätze.

Die Preise der beiden Angebote zu vergleichen ist schwierig, da beide Varianten andere Grund-Services und diverse Zusatz-Leistungen beinhalten. Der Basisdient des “Open Work Place” kostet 400 Franken je Monat und Unternehmen. Hinzu kommen 120 Franken pro Monat und User. Damit bekommt man sämtliche Office-Werkzeuge, 30GB Speicherplatz pro User, Datensicherung sowie Support. Nicht dabei sind Zusatzservices wie etwa Intranet oder ERP, CRM und Telefonie. Setup und Migration kosten 5000 Franken pro Unternehmen, 250 Franken pro Benutzer. Swisscoms “One Workplace” kostet mindestens 2640 Franken pro Jahr und Arbeitsplatz.

Beratung ist das A und O
Vielleicht war es vor drei Jahren zu früh, um einen PC-Arbeitsplatz “als Service” zu lancieren. Seit Anfang 2008 ist Cloud Computing in aller Munde und es scheint nicht mehr abwegig, komplette Arbeitsplätze mit allem drum und dran zu mieten und nur für jene Leistungen zu bezahlen, die man auch wirklich braucht.

Entscheidend im Fall des “Open Work Place” wird sein, ob die Macher in der Lage sein werden, die Kunden umfassend und vor allem schnell zu beraten und sie zu betreuen. Für ein Unternehmen, das aus dem Microsoft-Umfeld kommt, wohl keine einfache Aufgabe. Immerhin: Jäggli sagte bereits gestern, der grösste Fehler, den man machen könne, sei, die Kunden alleine zu lassen. (Maurizio Minetti)

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Bund geht weiterhin mit Microsoft ins digitale Zeitalter

Microsoft-Chef Peter Waser hat beim Förderprogramm für die IT-Branche die Führung inne. Das sorgt im Parlament für Unmut.

David Vonplon, Tagesanzeiter/Der Bund, 14. September 2010

2010-09-14_derbundDie Schweiz hat bei der Anwendung von Informationstechnologien gegenüber dem Ausland Nachholbedarf. Und das, obwohl nirgendwo sonst so viel Geld ausgegeben wird für die IT-Infrastruktur. Diese Schwäche will Bundespräsidentin Doris Leuthard aus der Welt schaffen. Sie setzt dabei auf eine enge Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Wissenschaft. Das neu geschaffene «E-Economy-Board» soll dafür sorgen, dass die Schweiz endlich im digitalen Zeitalter ankommt.

Dass Microsoft-Schweiz-Chef Peter Waser dem Gremium als Präsident vorsteht, ist kein Zufall: Zusammen mit IBM hat der Softwaregigant im Vorfeld den Auftritt für das Förderprogramm zu einem grossen Teil bezahlt und gestaltet. Der Bund hält sich im Hintergrund: Lediglich 200 000 Franken im Jahr erhält das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) für das Betreiben der Geschäftsstelle; den Rest finanzieren die Unternehmen. Das sieht man der Internetplattform E-economy.ch auch an: Die Logos der beteiligten Firmen stechen hervor. Ein Klick genügt, und der Besucher landet auf der Website der Konzerne.

«Befremdende Wahl»

«Auf mich macht der Auftritt den Eindruck, als habe sich der Bund da von der Wirtschaft vor den Karren spannen lassen, und nicht umgekehrt», sagt Alec von Graffenried, Nationalrat der Grünen und Mitglied der parlamentarischen Gruppe «Digitale Nachhaltigkeit». Er fragt sich, warum die Propaganda für diesen auch stark durch KMU und Startups geprägten Sektor ausgerechnet über Microsoft erfolgen muss.

Mit seiner Kritik steht von Graffenried nicht allein: Vor allem Vertreter des Vereins «/ch/open», der sich die Förderung offener IT-Systeme auf die Fahne geschrieben hat, sehen sich ein weiteres Mal vom Bund benachteiligt. «Die Ernennung von Waser ist befremdend», sagt Vorstandsmitglied Matthias Stürmer. Ausgerechnet jener Konzern werde wieder bevorteilt, der bereits von Millionen- Aufträgen des Bundes profitiert habe, die ohne Ausschreibung erfolgt seien. «Es ist offensichtlich, dass Microsoft darauf hofft, dank dem Förderprogramm leichter an weitere Aufträge zu kommen.»

Gleich lange Spiesse gefordert

Der Bund als Handlanger des US-Softwareriesen? «Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun», sagt Eric Scheidegger, stellvertretender Seco-Direktor. Man sei froh, dass Waser sich engagiere: «Es braucht Leute, die das nötige Knowhow mitbringen.» Auf die Frage, ob Microsoft der richtige Partner sei, entgegnete Bundespräsidentin Leuthard an der gestrigen Pressekonferenz in Bern, auch andere Interessenten seien im Gremium willkommen.

Vertreter der parlamentarischen Gruppe «Digitale Nachhaltigkeit» monieren jedoch, dass keine der vielen Schweizer Firmen, die mit Open-Source-Software geschäften – also mit Programmen, die nach Belieben kopiert und von jedermann verändert werden dürfen – vom Bund angefragt wurden. «Wieder zeigt sich, dass der Bund Open-Source-Vertreter ausschliesst», sagt FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Der Co-Präsident der parlamentarischen Gruppe verspricht, nicht lockerzulassen, bis die Anbieter von Open-Source-Software gleich lange Spiesse bekommen wie die Anbieter proprietärer Software. Für ihn ist das Förderprogramm ein Beispiel dafür, wie gerne der Bund von den Vorteilen offener IT-Systeme spreche und dem freien Wissenszugriff das Wort rede. In Tat und Wahrheit jedoch unternehme er herzlich wenig dafür.

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