Schulbehörden warnen vor Microsoft-Monopol - Fachstelle des Bundes übt Kritik an neuem Microsoft-Produkt

30. Mai 2010, NZZ am Sonntag, Stefan Bühler - Die Fachstelle für Informatik in der Bildung warnt Schulen vor der Abhängigkeit von Microsoft. Hinter der Fachstelle stehen Bund und Kantone. Und über 30 Parlamentarier.

Ausgebrochen ist der Konflikt schon Anfang März: Damals veröffentlichte die Schweizerische Fachstelle für Informationstechnologien im Bildungswesen (SFIB) eine «Empfehlung in Sachen Microsoft School Agreement und Live@edu». Es war eine klare Absage an Microsoft: Das neue Angebot bringe für die Schulen «gravierende Nachteile» mit sich. Deshalb empfahl die SFIB «allen Entscheidungsträgern in IT- und ICT-Fragen an Schulen, auf den Erwerb oder die Erneuerung von Lizenzen für Produkte von Microsoft im Rahmen eines School Agreements zu verzichten». Statt dessen sei es angezeigt, «schrittweise auf schlanke IT-Infrastrukturen und freie Software zu setzen» – also weg von Microsoft hin zu frei verfügbaren Open-Source-Produkten. Seither schwelt der Konflikt zwischen der Fachstelle und Microsoft.

Streit um Datenschutz

Bemerkenswert: Hinter der SFIB stehen der Bund und die Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) der Kantone. Die Fachstelle ist Teil von educa.ch, dem Schweizer Medieninstitut für Bildung und Kultur, einer gemeinnützigen Genossenschaft. Diese handelt etwa mit IT-Anbietern günstige Verträge aus, so «dass auch Schulen in kleinen Gemeinden, die nur geringe Mengen einkaufen, von günstigen Konditionen profitieren», sagt Educa-Chef Robert Koller. Der Verwaltungsrat wird präsidiert vom Bündner Erziehungsdirektor Claudio Lardi, Vizepräsident ist Mauro Dell’Ambrogio, Staatssekretär für Bildung bei Bundesrat Didier Burkhalter.

Der Streit zwischen der SFIB und Microsoft entbrannte bei Verhandlungen über die Fortsetzung des Vertrags «Partners in Learning». Dank diesem profitierten Primarschulen seit 2004 von vergünstigten Lizenzgebühren für Windows und Office-Produkte. Doch der Vertrag ist im Juni 2009 ausgelaufen. In den Verhandlungen beharrte Microsoft laut Educa darauf, künftige Rabatte nur zu gewähren, wenn Schulen auch die Microsoft-Webplattform «Live@edu» nutzen würden, die auch einen Mail-Dienst und die Dateiablage umfasst. Diese Verknüpfung akzeptierte die SFIB nicht. Sie machte Probleme mit dem Datenschutz bei «Live@edu» und die «zunehmende Abhängigkeit der Schulen von Microsoft-Produkten» geltend: Gemäss im Internet aufgeschalteten Nutzungsbedingungen werde Microsoft «ausdrücklich ermächtigt, persönliche Schülerdaten (Name, E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Postanschrift usw.) auf Vorrat zu sammeln, zu benutzen und bekannt zu machen», heisst es in der SFIB-Empfehlung vom März; die Bestimmungen würden «klar gegen das Datenschutzgesetz» verstossen.

Dieser Darstellung widerspricht Thomas Reitze von Microsoft Schweiz: «Dass Microsoft Schülerdaten sammelt, kommt für uns überhaupt nicht in Frage.» Die Nutzungsbedingungen, auf die sich educa.ch berufen habe, hätten sich auf einer «reinen Testseite» befunden, «die wir aufgeschaltet haben, damit Lehrkräfte Live@edu erkunden können». Die fraglichen Bestimmungen seien nicht gültig. «Wir sind daran, mit den Schulbehörden des Kantons Zürich die Nutzungsbedingungen auszuhandeln», erklärt Reitze, «und wir werden Live@edu in keiner Schule einsetzen, solange nicht alle datenschützerischen Fragen geklärt sind». Der Bildungsbereich sei Microsoft zu wichtig, als dass man das Vertrauen von Lehrern, Eltern und Schülern aufs Spiel setzen wolle.

Alternativen für Schulen

Sollte die Anpassung der Nutzungsbestimmungen erfolgen, «werden wir unsere Empfehlungen in diesem Punkt anpassen», sagt Educa-Chef Koller. «Dann bleibt aber immer noch die zunehmende Abhängigkeit von Microsoft.» Er kann auf prominenten Rückhalt zählen: Die «Parlamentarische Gruppe digitale Nachhaltigkeit» hat die Kritik der SFIB ausdrücklich begrüsst – die Gruppe wird präsidiert von den Nationalräten Christian Wasserfallen (fdp.) und Edith Graf-Litscher (sp.), ihr gehören über 30 Parlamentarier aller grossen Parteien an. Unterstützt wird Koller auch von seinem Auftraggeber: «Es ist im Interesse der Schulen, dass es Alternativen zum Monopolisten Microsoft gibt», sagt EDK-Generalsekretär Hans Ambühl, «das heisst nicht, dass Schulen völlig auf Microsoft-Produkte verzichten sollen.» Darum sollten die Gespräche mit Microsoft weitergeführt werden.

Veröffentlicht in Microsoft, Presse, Schulen | Kommentieren

Vollumfängliche Migration auf Open Source - Der Kanton Solothurn macht es vor

Artikel in der Fachzeitschrift Die schweizerische Kommunal-Revue SKR

Interview von Silvie Hauser

Ein kompletter Umstieg auf ein Open Source Betriebssystem erscheint Vielen als grosser Schritt. Und doch haben bereits mehrere Kantone sowie das Bundesgericht auf Linux-Betriebssysteme migriert. Der Kanton Solothurn hat schon im Jahr 2007 die gesamte Desktopumgebung der Verwaltung auf Linux und OpenOffice. org umgestellt und wurde dafür im letzten Jahr mit dem Open Source Award ausgezeichnet. Kurt Bader, Vorsteher des Amtes für Informatik und Organisation des Kantons Solothurn, erläutert im Gespräch mit der SKR die wichtigsten technischen Aspekte der Migration.

SKR: Was waren die grössten technischen Hürden bei der Migration?

Kurt Bader: Um den Benutzern den Umstieg möglichst einfach zu machen, stellten wir den Anspruch, dass die neue Umgebung erscheinungsmässig der alten Umgebung möglichst nahe kommt und dass die Bedienung an die alte Bedienung angelehnt ist. Dies bedingte etwelche Engineering-Arbeiten bei der Einstellung der verschiedenen Anwendungen (DesktopOberfläche, OpenOffice-Einstellungen, usw). Im Rahmen unserer Desktop-Umstellung war die Funktionalität des eingesetzten Webmail-Systems eine grosse Schwachstelle. Der Produktlieferant konnte nicht sicherstellen, dass alle aus dem OutlookBereich bekannten Funktionalitäten im Webmail-Client termingerecht und in der geforderten Qualität verfügbar waren.

SKR: München und Wien haben auf ihre eigenen Bedürfnisse an gepasste Distributionen von Linux entwickeln lassen statt auf Standarddistributionen zurück zu greifen. Wie hat das der Kanton Solothurn gemacht?

K.B.: Im Kanton Solothurn setzen wir auf die Distribution Univention Corporate Server (UCS). Diese Distribution basiert auf der Debian-Distribution und ist im deutsch-sprachigen Gebiet (Deutschland-Österreich-Schweiz) stark verbreitet, da sie den gesamten technischen Bereich (Client, Server) inkl. Management der Benutzer und der angeschlossenen Geräte in einer Distribution abdeckt.

SKR: Wann und wieso entschied sich der Kanton Solothurn, strategisch auf Open Source Produkte zu setzen?

K.B.: Bereits im Jahr 2001 verabschiedete der Kanton folgendes langfristige und übergeordnete Ziel im Informatikbereich: Minimieren der Kosten und der Lieferanten-Abhängigkeiten durch den vermehrten Einsatz von offenen Systemen und Produkten und die strategische Ausrichtung auf das freie Betriebssystem Linux. Die Umsetzung dieses Ziels erfolgte in den ersten 5 Jahren schwergewichtig im Serverbereich. Dabei wurde speziell darauf geachtet, dass neue Fachanwendungen keine Office-Verknüpfungen benötigen, sondern möglichst alle Funktionen durch die Fachanwendungen zur Verfügung gestellt werden (z. B.: PDF-Auswertungen). Wenn trotzdem ein Datenexport notwendig ist, wird dieser über eine Produkt-neutrales Datenformat (CSV-Datei) sichergestellt, das von jeder Tabellenkalkulation weiterbearbeitet werden kann. Basierend auf diesen Vorarbeiten wurde ab dem Jahr 2007 der gesamte Desktopbereich der Verwaltung umgestellt.

SKR: Konnte der Kanton bereits Einsparungen durch den Einsatz von Open Source Produkten realisieren?

K.B.: Basierend auf realistischen Kostenschätzungen und verglichen mit den effektiven Informatikkosten und deren Entwicklung in den letzten 8 Jahren konnten jährlich ca. 10% der Gesamtaufwände im Informatikbereich eingespart werden.

SKR: Gab es im Bereich Mitarbeiterschulung Mehrkosten zu ver zeichnen, oder war das in etwa vergleichbar mit den Kosten für eine Weiterbildung auf Windows Vista oder Windows 7?

K.B.: Für die Mitarbeiterausbildung und die reine Umstellung wurden 2.5 Tage pro Person kalkuliert. Bei der Schulung wurden vor allem jene Bereiche angesprochen, bei denen der Benutzer Unterschiede zwischen der Windows- und der Linux-Umgebung feststellen kann. Die Unterschiede im Bereich OpenOffice.org und MSOffice97/2000 sind relativ klein, sodass man sich schnell zurecht findet. Die Umstellung der Desktop-Umgebung wurde gleichzeitig dazu genutzt, um Datenablagestrukturen und das Vorlagenmanagement zu überdenken und gegebenenfalls anzupassen.

SKR: Die Lösung des Kantons Solothurn wird im Sinne des Open Source Gedankens auch anderen Kantonen zur Verfügung ge stellt. Gibt es da bereits erste Kollaborationen?

K.B.: In verschiedenen Projekten gibt es seit längerer Zeit eine intensive Zusammenarbeit.

SKR: Wir danken Ihnen bestens für das Gespräch.

Veröffentlicht in Kt. Solothurn, Presse | 1 Kommentar

Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit: «Kostendruck fordert den Umstieg auf Open Source Software»

Portrait der Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit in der Fachzeitschrift Die schweizerische Kommunal-Revue SKR


bild11

von Julia Voronkova

Die Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit hat am 3. März 2010 bereits zum zweiten Mal über 50 Vertreter aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft zu einem Dinner in Bern geladen. In einer moderierten Podiumsdiskussion beantworteten internationale Software-Hersteller Fragen zur Bedeutung von Open Source Software in ihren Unternehmen. Edith Graf-Litscher, Co-Präsidentin der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit, bot einen kurzen Rückblick auf die vergangenen Monate sowie einen Ausblick auf geplante Tätigkeiten.

Die fortschreitende Digitalisierung eröffnet grosse Potenziale bezüglich der Herstellung und Verbreitung von Wissensgütern. Ob in der Bildung, Wirtschaft oder öffentlichen Verwaltung – erschlossen können diese Potenziale der gesamten Volkswirtschaft dienen. Voraussetzung dazu ist die langfristige und offene Verfügbarkeit von Wissensgütern. Aktuelle Beispiele zeigen jedoch, dass dies alles andere als selbstverständlich ist: «Software-Entwicklungen bleiben verschlossen und bewusst inkompatibel, mächtige Monopole werden gefördert und mit öffentlichen Geldern erstellte Inhalte und Forschungsergebnisse sind nur gegen erneute Bezahlung vefügbar», kritisiert die Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit den derzeitigen Stand der Dinge.

«Damit verstärkt und gezielt Bewegung ins Thema um den freien Wissenszugriff kommt», so die SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher, «haben wir im eidgenössischen Parlament im Mai 2009 die Parlamentarische Gruppe ‹Digitale Nachhaltigkeit› gegründet». So will die Parlamentarier- Gruppe einen nachhaltigen und innovativen Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien bahnen. Konkret strebt die Gruppe den vermehrten Einsatz von Open Source Software (OSS) sowie offene Standards an und damit eine allmähliche Loslösung von proprietärer Software. Denn diese erzeuge eher eine nachhaltige Abhängigkeit, denn Nachhaltigkeit: viele Software-Konzerne fordern ihre Lizenzpreise mittels Salami-Taktik in kleinen, aber steten Tranchen ein. OSS im Gegensatz helfe, Steuergelder effizienter einzusetzen, verbessere den Wettbewerb und sichere die Stellung der Schweiz im internationalen Software-Markt.

Die Parlamentarier-Gruppe wird in einem Co-Präsidium von den beiden Nationalräten Edith Graf-Litscher (SP) und Christian Wasserfallen (FDP) vertreten. Zurzeit zählt die Gruppe 34 National- und Ständeräte zu ihren Mitgliedern. Die Open-Source- Förderer legen ein starkes Engagement zutage. Seit Juni 2009 haben sie bereits 12 Vorstösse im Parlament eingereicht. Doch konnten sie damit auf keinen grünen Zweig beim Bundesrat kommen: dieser lehnte alle Vorstösse ausser einem ab, so Graf-Litscher. Die Hälfte der Vorstösse handelten von der Beschaffung von Informatikmitteln und der geforderten Chancengleichheit für Open Source Software; darunter war auch ein Vorstoss zum umstrittenen, nicht ausgeschriebenen 42-Millionen-Franken-Auftrag an Microsoft. Neben ihren politischen Aktivitäten organisiert die Parlamentarische Gruppe halbjährlich ein Parlamentarierdinner, das als Treffpunkt von in OSS involvierten Vertretern aus Politik,Wirtschaft und Verwaltung dient.

Die SKR nahm am zweiten Parlamentarierdinner am 3. März teil. Den Höhepunkt des Abends bot eine Podiumsdiskussion mit sieben Vertretern internationaler Software-Unternehmen über die Bedeutung von Open Source Software in ihren Firmen. Edith Graf-Litscher leitete die Diskussion mit dem ernüchternden Fakt ein, dass die Open-Source-Aktivität in der Schweizer Verwaltung sich im internationalen Vergleich auf dem vorletzten Rang 34 befi nde (dies im Gegensatz zur Schweizer Wirtschaft, die mit der Nutzung von OSS auf Rang 9 liegt). Danach stellten sich die Vertreter internationaler Software-Hersteller, darunter der General Manager von Red Hat, Werner Knoblich, und der Leiter Plattformstrategie von Microsoft Schweiz, Manuel Michaud, den kritischen Fragen des Redaktors des Fernsehmagazins 10vor10, Christian Bachmann. Die Fragen zielten dahin, die tatsächliche Nähe von Software-Firmen zum Open-Source-Gedanken zu erörtern und somit den Spreu blosser PRBemühungen vom Weizen zweckdienlicher Engagements zu sondern.

Die überparteiliche Parlamentarier-Gruppe ändert ihre Strategie: Statt Klagelieder werden Errungenschaften besungen. In Zukunft will die Gruppe «in die Offensive gehen», gibt Graf-Litscher bekannt. Das bedeutet weniger Vorstösse sowie die Konzentration auf erfolgsversprechende Initiativen. So strebt die Gruppe schon heute den Aufbau eines Open-Source- Kompetenzzentrums an. Darüber hinaus sollen Eigenentwicklungen von Behörden künftig unter einer Open-Source-Lizenz der SIK (Schweizerische Informatikkonferenz) veröffentlicht werden. Eine weitere Initiative ist die Gründung eines «Round Table», an dem Industrie, Kantone und Vertreter des Bundes Open-Source-Fragen diskutieren sollen.

Veröffentlicht in Bundesverwaltung, Presse, Vorstoss | Kommentieren

«Beide Modelle haben ihre Berechtigung und sollen gleiche Chancen haben»

Ein ausführlicher Artikel über Digitale Nachhaltigkeit in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Die schweizerische Kommunal-Revue SKR

bild2Der Begriff Nachhaltigkeit prägt die Debatten in fast allen öffentlichen Bereichen. So auch im Bereich IT. Wurde Open Source noch vor wenigen Jahren als Lösung für Freaks belächelt, so ist daraus in den letzten Jahren eine ernstzunehmende Alternative zu proprietärer Software geworden. Im Gespräch mit Matthias Stürmer (/ch/open), Peter Fischer (Delegierter für die Informatikstrategie des Bundes) und Thomas Reitze (Director Public Sector Microsoft Schweiz GmbH) erörtert die SKR die Vor- und Nachteile von Open Source Software (OSS) und proprietärer Software.

Interviews von Silvie Hauser

Inhaltsverzeichnis:
• Digitale Nachhaltigkeit
• Ressourcen
• Kosten
• Flexibilität und Ausbaufähigkeit
• Support
• Mitarbeiterschulung
• Nachgefragt
• Antworten Matthias Stürmer
• Antworten Peter Fischer
• Antworten Thomas Reitze

Veröffentlicht in Bundesverwaltung, Microsoft, Presse | Kommentieren

Georg Greve mit Bundesverdienstkreuz für Freie Software und Offene Standards geehrt

MEDIENMITTEILUNG SWISS OPEN SYSTEMS USER GROUP /CH/OPEN

Bern, 28. April 2010

In Anerkennung seiner langjährigen Arbeit für Freie Software und Offene Standards wurde /ch/open-Mitglied Georg Greve gestern in der Deutschen Botschaft in Bern das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Bei der Ehrung des /ch/open Mitglieds und heutigen Geschäftsführers der Kolab Systems AG mit Sitz in Zürich erwähnte der deutsche Botschafter insbesondere Greves Verdienste als Gründer und langjähriger Präsident der Free Software Foundation Europe (FSFE), als europäischer Sprecher des GNU Projekts und langjährigem Autor der monatlichen Kolumne “Brave GNU World”. Zentral für die Ehrung waren dabei die Errungenschaften um Freie Software und Offene Standards, insbesondere des Open Document Format (ODF), dem eine besondere Bedeutung für die Freiheit, Unabhängigkeit und Teilhabe aller Menschen am digitalen Zeitalter zukommt. Unter anderem hat dies das Auswärtige Amt in Deutschland wegweisend in die Lage versetzt, die effizienteste IT-Infrastruktur aller deutschen Ministerien zu unterhalten.

“Die /ch/open freut sich sehr über diese Ehrung eines ihrer Mitglieder. Offene Software und Offene Standards sind zwei der notwendigen Komponenten für eine nachhaltige Wissensgesellschaft und Grundlage des sozialen wie wirtschaftlichen Wohlstands im Informationszeitalter,” erklärt Dr. Matthias Stürmer, Vorstandsmitglied der /ch/open und Initiator der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit. “Georg Greve hat durch seine harte Arbeit im Laufe der letzten 12 Jahre herausragende Leistungen sowohl für das Allgemeinwohl wie den Wissensstandort Europa und auch die Schweiz erbracht. Dass die deutsche Regierung dies honoriert, zeigt, wie sehr die Freiheit der Software, der Standards und des Wettbewerbs zu zentralen Anliegen eines jeden Landes geworden sind.”

“Software ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Freier Software gewährt die Freiheit, selbst über die eigene Zukunft entscheiden zu dürfen. Das gilt für Privatmenschen ebenso wie für Unternehmer, Organisationen und Regierungen,” erläutert Greve seine persönliche Motivation. “Diese Freiheiten sind essentiell für das Funktionieren von Demokratie und Wirtschaft. Im digitalen Raum bedeuten Monopole und proprietäre Formate Abhängigkeit und Stagnation. So verliert eine Regierung durch den Einsatz proprietärer Technologien schnell die Kontrolle über die eigene Beschaffung und kann nur noch einen Anbieter wählen. Mit Freier Software sind Bürger und Regierung unabhängig, und können ihr Leben und ihre Technologie nach den eigenen Bedürfnissen gestalten.”

Weitere Informationen

Veröffentlicht in Presse | Kommentieren

YouTube-Videos der OpenExpo 2010

Portrait und Tätigkeiten der
Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit

Edith Graf-Litscher und Christian Wasserfallen,
Co-Präsidium Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit

OpenExpo 2010 in Bern am 24. März 2010

Mit rund 800 OpenExpo-Besuchenden hat die achte Ausgabe der grössten Schweizer Open Source Messe- und Konferenz-Veranstaltung am 24./25. März 2010 in Bern erfolgreich stattgefunden.

Ab sofort sind die Video-Aufzeichnungen der Vorträge auf dem OpenExpo YouTube-Channel in HD-Qualität, die Referatsfolien als PDF-Download sowie einige Fotos verfügbar. Das Konferenz-Programm wurde im Vorfeld und danach von zahlreichen Presse-Artikeln in höchsten Tönen gelobt: Netzwocheinside-it.ch,PCtippheise OpenLinux Magazin und Pro Linux.

Der erste Tag stand im Zentrum der Digitalen Nachhaltigkeit. In 15 Referaten zeigten nationale und internationale Referenten aktuelle Trends und Entwicklungen aus den Open Source Communities, öffentlichen Verwaltungen und der Politik. Beispielsweise wurden die innovative E-Portfolio-Lösung Mahara, das mächtige Learning Content Management System docendo und die bekannte E-Government Plattform PloneGov vorgestellt. Horst Braeuner von der Stadt Schwäbisch Hall zeigte den Einsatz von Open Source Software in der Verwaltung und Thomas Reitze von Microsoft Schweiz erläuterte, wie Microsoft zum Thema Open Source Software steht. Mit drei Vorträgen von der Swisstopo und aus der Openstreetmap-Community wurde auch ein starker Fokus auf GIS-Lösungen gelegt. Zuvor erläutert Sven Leser von der SyGroup GmbH den aktuellen Stand der Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht. Als Höhepunkt des Nachmittags stellten die Nationalräte Edith Graf-Litscher und Christian Wasserfallen die Tätigkeiten der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit vor. Und zum Abschluss präsentierte Priscilla Dipner-Gerber erstmals die neue Open Source Förderungsstrategie des Kanton Basel-Stadt und passend dazu zeigte der langjährige Open Source Experte Frank Thomas Drews die ‘Lessons Learned’ aus Open Source Migrationsprojekten auf.

Der zweite OpenExpo-Tag fokussierte auf Informatik-Bedürfnisse des Business-Umfelds von KMUs. Firmenaussteller wie die Puzzle ITC und snowflake productions sowie die Sponsoren AccelerisRed Hat und Ingres präsentierten die von ihnen unterstützten Open Source Produkte vertieft. Des weiteren wurden aktuelle Business-Themen wie Open Source Compliance, die Zukunft von MySQL oder OpenOffice.org-Lösungen für KMUs von Open Source Kennern vorgetragen. Als Highlight des Tages beleuchteten Verantwortliche der Mobiliar und von Manor den strategischen Einsatz von Open Source Software und zeigten die relevanten Erfolgsfaktoren auf. Abgerundet wurde der Tag durch eine Podiumsdiskussion mit Manuel Michaud von Microsoft Schweiz und Dr. Matthias Stürmer der /ch/open bzw. dem Open Source Dienstleister Liip. Sie diskutierten die unterschiedlichen Perspektiven von heutigen Software-Herstellern und zeigten die Vorteile und Herausforderungen der zwei Entwicklungsmodelle auf, des proprietäre Modells vs. der Open Source basierten Software-Entwicklung.

Veröffentlicht in Business, Events | Kommentieren

Italienisches Verfassungsgericht erklärt Bevorzugung Freier Software für legitim

PiemontOpen Source Software erhält bezüglich Digitaler Nachhaltigkeit der Verwaltung eine hohe Bedeutung im öffentlichen Beschaffungswesen. Aus Italien erreicht uns dazu die Nachricht über einen wegweisenden Entscheid am Corte Costituzionale, dem Verfassungsgericht. Anlass dazu gab ein vom piemontesischen Regionalparlament vor rund einem Jahr verabschiedetes Gesetz. Es legt klar fest:

“Die Region bevorzugt im Auswahlverfahren der  Softwarebeschaffung Freie Software und Programme mit freier Einsicht in den Quellcode”.

Während breite Kreise der Zivilgesellschaft die regionale Regelung begrüssten, beantragte die nationale Regierung, der Consiglio dei Ministri, vor dem Verfassungsgericht, das Gesetz für nichtig zu erklären. Am 23. März 2010 wies das hohe Gericht diese Beschwerde ab und erklärte das Gesetz als mit dem Prinzip des freien Wettbewerbs für vereinbar (die Meldungen dazu auch auf OSOR.EU und heise open).

Die Region Piemont erklärte: “Die Argumentation, die Wahl einer öffentlichen Institution in Bezug auf ein Feature, nicht ein Produkt, sei ein Verstoss gegen das Kartellrecht, war unhaltbar”. Das Verfassungsgericht stellte klar:

“Das Konzept Freier Software und allgemein von Software, deren Quellcode offen einsehbar ist, bezieht sich weder auf eine bestimmte Technologie noch auf eine Marke oder ein spezifisches Produkt, sondern stellt eine allgemeine rechtliche Eigenschaft dar.”

Entsprechend sieht das Gericht die Bevorzugung Freier Software im Einklang mit dem geltenden Wettbewerbsrecht. Aus diesem Blickwinkel steht die Förderung Freier Software in der öffentlichen Beschaffung also in keinerlei Konflikt mit dem oft dagegen angeführten Argument der Technologieneutralität. Mehr noch, es wird erstmals von einem Verfassungsgericht anerkannt, dass Open Source Software ein für die Verwaltung vorteilhaftes Lizenzmodell darstellt und deshalb im Rahmen von öffentlichen Beschaffungen bevorzugt werden darf.

Weitergehende Informationen inklusive der Rechtsquellen finden sich auf der Website der Associazione per il Software Libero Assoli.

Veröffentlicht in Juristisches | Kommentieren

Begegnung zweier Welten - Proprietäre Software versus offene Lösungen

Podiumsdiskussion mit Manuel Michaud und Matthias Stürmer Moderation von Georg Lutz (YouTube-Aufnahme)

debatteIm Rahmen der topsoft bietet die Open Source Community mit ihren freien Webservern, Datenbanken und Betriebssystemen auch für KMU Lösungen an. Der Versuch sich aus dem Bastlerimage zu befreien ist spürbar. Inzwischen gibt es Lösungen wie Linux oder Anbieter wie Red Hat, die die Nischen längst verlassen haben. KMU LIFE moderierte im Rahmen der letzten topsoft ein Panel zwischen den beiden Welten. Wir publizieren Ausschnitte aus der Debatte.

Herr Michaud, können Sie das Geschäftsmodell von Microsoft auf den Punkt bringen?

Michaud: Das Businessmodell von Microsoft ist ein einfacher Kreislauf. Es wird in Forschung und Entwicklung investiert. Daraus entwickeln sich Produkte, die an Kunden über Lizenzmodelle verkauft werden. Das Geld wird wieder in Forschung und Entwicklung gesteckt. – Das ist der pragmatische Kern von Microsoft.

Das klingt sehr unspektakulär. Herr Stürmer, wo liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede?

Stürmer: Wir haben Gemeinsamkeiten: Microsoft ist zum Beispiel auch Mitglied bei ch/open. Grundsätzlich haben wir es aber mit zwei unterschiedlichen Geschäftsmodellen zu tun. Das eine beruht auf einem Lizenzverkauf und wir bieten Dienstleistungen an.

Sieht Microsoft auch Gemeinsamkeiten?

Michaud: Open Source ist für Microsoft sehr wichtig. Über 50 Prozent von Open Source-Lösungen laufen auf einer Microsoft Plattform. Wir haben ein Interesse, dass diese Produkte optimal auf unseren Plattformen laufen. Wir laden die Entwickler von Open Source-Programmen ein, damit ihre Programme sich gut bei uns integrieren.

Das ist mir fast zu kuschelig. – Kommen wir zum Kernanliegen von Unternehmen. KMU-Inhaber oder -Geschäftsführer haben wenig Zeit. Sie wollen Lösungen, die perfekt zu ihrem Unternehmen passen und einen guten Service. Ob der Quellcode offen oder geschlossen ist interessiert sie herzlich wenig. Ist Open Source provokant gefragt immer noch ein Thema für IT-Bastler?

Stürmer: Die Bastlerzeit ist schon lange vorbei. Das war vor zwanzig Jahren als der damalige Student Linus Torvalds den Linux Kernel erfunden hat. Aber schon damals haben sich professionelle Vertriebslösungen, wie die von Red Hat entwickelt. Heute ist das Unternehmen an der Börse notiert. Auch bei der Schweizer Firma, bei der ich arbeite, verdienen 60 Mitarbeitende ihr tägliches Brot mit Open Source-Diensteleistungen

Sie haben insofern Recht, da Open Source immer noch dieses alte Image hat. Das liegt aber an unserer vergleichsweise schwachen Lobbykraft.

Michaud: KMU haben eine schlanke Kostenstruktur und wollen sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren. Sie schauen aus diesem Grund nicht auf das Geschäftsmodell des Softwareanbieters, sondern analysieren welchen Mehrwert die neue Software ihnen bringen kann. Aber auch Risiken und Service stehen auf der Agenda. Wir haben uns den gleichen Anforderungen zu stellen.

Stürmer: Es gab aber in den letzten Jahren einen Wandel. Vor zehn Jahren ging es noch um die Funktionalität, oder die technischen Möglichkeiten der Software. Heute steht die Frage im Raum, was mir diese Software in einem langfristigen Zeitrahmen bringt. Und in diesem Zusammenhang will man weniger Abhängigkeiten aufbauen. Dort bietet die Open Source-Welt nachhaltige Alternativen.

Die Statistiken, die mir vorliegen sind nicht berauschend: Über 50 Prozent der Kunden sind mit ihrer neuen Software nicht zufrieden. Das betrifft beide Welten. Mit Stichworten wie Nachhaltigkeit kommen wir da nicht weiter.

Stürmer: Open Source ist keine eierlegende Wollmilchsau, aber das bessere Modell. Lassen Sie mich noch einen weiteren Grund anführen: Es gibt eine lebhafte Community, die sehr kritisch die neuen Produkte begleitet. Das explizite Wissen über den Quellcode ist sinnlos, wenn es nicht begleitet wird. Man ist nicht mehr abhängig von einer einzelnen Firma.

Jetzt haben wir doch die Debatte zwischen den Welten…

Michaud: Es handelt sich auch bei Open Source-Lösungen, beispielsweise bei Red Hat oder Novell, um kommerzielle Produkte. Diese Produkte werden auch nur eine gewisse Zeit unterstützt und irgendwann muss man sich für die neue Lösung entscheiden. Das ist die genau gleiche Situation. Wir haben es hier mit einer Scheindebatte zu tun.

Stürmer: Es ist richtig, man hat auch bei unseren Angeboten mit Produktzyklen zu tun. Aber es gibt eben bei einer offenen Community die Möglichkeit ein Konsortium zu bilden, um die Software weiter zu entwickeln.

Michaud: Linux ist doch ein gutes Beispiel. Die Kunden setzten doch Linux nicht ein, weil es ein Open Source-Projekt ist. Anbieter wie Novell haben sich den Quellcode angeschaut und bieten dann ein kommerzielles Produkt mit ihrem Support an. Es geht nicht mehr um das Interesse an einem Quellcode. Der Kunde kauft es, weil er sieht, dass es eine vernünftige Alternative zu proprietären Systemen ist. Beide Modelle näheren sich aus Sicht des Kunden immer mehr an. Er entscheidet sich für ein Produkt, der Code interessiert den KMU Kunden nicht.

Stürmer: Der Code von Windows ist tatsächlich solange uninteressant, solange nicht eine externe Community sich auskennt. Das Geschäftsmodell der proprietären Software bezieht sich auf die Abhängigkeit der Kunden. Und so hat man eine unglaubliche Verhandlungs- und Marktmacht. Solche Strukturen führen im Übrigen langfristig auch nicht zu tieferen Kosten.

Arbeiten Sie persönlich noch mit den Produkten von der anderen Seite?

Stürmer: Ja, ich bekenne es öffentlich, ich arbeite mit Windows. Ich habe auf meinem Notebook ein abgeriegeltes Betriebssystem von Microsoft als virtuelle Maschine installiert. Es gibt leider immer noch Firmen die ihre Lösungen nur auf die Windowswelt beziehen. Ansonsten arbeite ich seit fünf Jahren zu 99 Prozent mit Open Source-Software und bin glücklich und zufrieden damit.

Michaud: Ich teste regelmässig Open Source-Produkte. Das gehört zu meinem Job. Ich finde Vergleiche fast immer spannend. Bei Microsoft setzen wir zu Test- und Vergleichszwecken immer Open Source-Produkte ein.

  • Manuel Michaud ist Platform Strategy Manager bei der Microsoft Schweiz
  • Matthias Stürmer ist Projektleiter der Liip AG, Vorstandsmitglied der /ch/open und Organisator der OpenExpo
Veröffentlicht in Business, Microsoft, Presse | Kommentieren

Bedeutung von Open Source Software in sieben internationalen Software-Unternehmen

screenshotSind Open Source Aktivitäten blosse PR-Bemühungen oder zweckdienliche Engagements?

Die folgenden Fragen dienen dazu, die tatsächliche Nähe von Software-Firmen zum Open Source Gedanken festzustellen und einen fundierten Einblick in deren Tätigkeiten zu erhalten. Nicht alle Fragen müssen zu 100% der optimalen Situation entsprechen. Aber je mehr Antworten wie aufgeführt ausfallen, umso ganzheitlicher und substantieller ist die Firma mit Open Source Software tätig:

  1. Umsatzanteil: Wie viel Umsatz erwirtschaftet die Firma mit Dienstleistungen für Open Source Software gemessen an ihrem Gesamtumsatz? → Der Umsatzanteil von Open Source Dienst-leistungen sollte einen bedeutenden Anteil ausmachen und nicht bloss ein marginaler Beitrag sein im Vergleich zum Umsatz mit proprietären Produkten.
  2. Beiträge: Wie viel investiert die Firma jährlich für frei zugängliche Beiträge an etablierte Open Source Projekte? → Der Geldbetrag sollte einen substantiellen Anteil gegenüber den Investitionen in proprietäre Software ausmachen und nicht reiner Marketing-Natur sein.
  3. Kompetenzen: Wie viele Mitarbeiter sind bei der Firma angestellt mit dem Ziel, einen grossen Teil ihrer Arbeitskapazität für Open Source Projekte einzusetzen? → Je höher der Anteil der Mitarbeiter ist, die zur Erstellung von Open Source Software eingesetzt werden, umso höher ist die Fachkompetenz der Firma und umso höhere Glaubwürdigkeit geniesst sie in der Open Source Szene.
  4. Produktevielfalt: Für welche breit abgestützten Open Source Produkte bietet die Firma professionelle Dienstleistungen an? → Je mehr weit verbreitete Produkte unterstützt werden, umso kompetenter ist das Unternehmen im Bereich von Open Source Software.
  5. Referenzen: Für welche Unternehmen, Behörden etc. hat die Firma bereits erfolgreich Open Source Lösungen eingeführt? → Die Referenzen sollten einen wichtigen Stellenwert im Gesamtportfolio ausmachen.
  6. Verhalten: Unternimmt die Firma Tätigkeiten, welche die Produktion oder den Einsatz von Open Source Software schwächen? → Falls die Firma z.B. Patentklagen in Bezug auf Open Source Lösungen lanciert oder in der eigenen Werbung grundsätzliche Zweifel an der Qualität und Sicherheit von Open Source Software anbringt, so behindert sie den freien Wettbewerb und erschwert die Interoperabilität. Gutes Verhalten ist bspw. wenn IT-Unternehmen garantieren, dass sie ihre Software-Patente nicht gegen Open Source Projekte einsetzen.

Die ausführlichen Antworten von den Firmen Day, Fabasoft, HP, Microsoft, Novell, Oracle und Red Hat sind im PDF erfasst (je 2 A4-Seiten pro Unternehmen).

Veröffentlicht in Business, Microsoft | 1 Kommentar

Schweizer Schulen wenden sich ab von Microsoft und wollen auf Open Source Software setzen

MEDIENMITTEILUNG
DER PARLAMENTARISCHEN GRUPPE DIGITALE NACHHALTIGKEIT

Die Schweizerische Fachstelle für Informationstechnologien im Bildungswesen weist auf die nachteiligen Bedingungen hin, welche das auf Schulen ausgerichtete Microsoft-Angebot «Live@edu» besonders in Bezug auf Datenschutz und Lieferanten-Abhängigkeiten mit sich bringt. Die Fachstelle empfiehlt daher einen Verzicht auf Microsoft-Produkte und eine Förderung von Open Source Software. Nationalräte der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit begrüssen diesen Entscheid.

Die neue erschienene Empfehlung der Schweizerischen Fachstelle für Informationstechnologien im Bildungswesen hält fest:

«Die Schweizerische Fachstelle für Informationstechnologien im Bildungswesen, educa.SFIB, kommt nach eingehender Prüfung zum Schluss, dass das neu ausgestaltete Microsoft School Agreement wegen seiner Verknüpfung mit dem Microsoft Live@edu Angebot für die Schulen gravierende Nachteile mit sich bringt. Aus diesem Grund empfiehlt educa.SFIB allen Entscheidungstragenden in IT- und ICT-Fragen an Schulen, auf den Erwerb oder die Erneuerung von Lizenzen für Produkte von Microsoft im Rahmen eines School Agreements zu verzichten und schrittweise auf schlanke IT-Infrastrukturen und freie Software zu setzen. Dazu bauen educa.SFIB und educa.ch ein geeignetes Unterstützungsangebot auf.»

Als besonders stossend erachtet educa.SFIB Microsoft’s Sammlung von Schülerdaten, die klar gegen das Datenschutzgesetz verstösst:

«Zustimmungserklärung: Mit der Zustimmungserklärung wird Microsoft ausdrücklich ermächtigt, persönliche Schülerdaten (’Name, E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Postanschrift usw.’) auf Vorrat zu sammeln, zu benutzen und bekannt zu machen und selbst nach einer allfälligen Kündigung des Vertrags durch die Schule diese Schülerdaten auf individueller Basis weiter zu bewirtschaften. Diese Bestimmungen verstossen klar gegen das Datenschutzgesetz. Microsoft wird dazu ermächtigt, Schülerdaten ins Ausland zu transferieren, wo die Daten ‘gespeichert und weiterverarbeitet werden’ dürfen. Damit tritt die Schule die Kontrolle über ihre Schülerdaten an Microsoft ab, was in klarem Widerspruch zur Datenschutzgesetzgebung steht. Die Daten werden von der externen Firma ‘Helliwood’ erhoben, gespeichert und dann an Microsoft weiter geleitet. Über die weitere Verwendung (oder Vernichtung) von Daten, die von Helliwood ‘gespeichert’ werden, gibt die Vertraulichkeitserklärung keine Auskunft.»

Als Alternative zu Live@edu empfiehlt educa.SFIB Schweizer Schulen den Wechsel von proprietärer Software auf Open Source Software und steht diesbezüglich auch unterstützend zu Seite unter anderem mit dem neuen, Linux-basierten USB-Lernstick.

Diese Entwicklung wird von Mitgliedern der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit begrüsst wie Ko-Präsidentin Edith Graf-Litscher festhält: «Ich finde es bedenklich, dass eine amerikanische Firma wie Microsoft an Schülerdaten von Schweizer Kindern und Jugendlichen gelangen will.» Nationalrat und Ko-Präsident Christian Wasserfallen fügt an: «Wir begrüssen den Entscheid von educa.SFIB verstärkt auf Open Source Software zu setzen, die besonders für den Bildungsbereich das Potential mit sich bringt die Chancengleichheit zu fördern, Kosten zu sparen und Innovationen zu stimulieren.»

Nachtrag 23. März 2010

Aufgrund eines bei inside-it.ch zitierten Schreibens von Microsoft an educa.ch und die Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit vom 19. März 2010 hat educa.ch heute, 23. März 2010, folgenden offenen Brief an Microsoft gesendet: “Offener Brief als Antwort auf Ihr Mail vom 19. März 2010″

Sekretariat Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit

Swiss Open Systems User Group /ch/open, Postfach 2322, 8033 Zürich, www.digitale-nachhaltigkeit.ch
Dr. Matthias Stürmer, matthias.stuermer@ch-open.ch, +41 76 368 81 65

Medienreaktionen

Veröffentlicht in Presse, Schulen | 3 Kommentare
  • Abonnieren