WOZ-Artikel zur Linux-Szene in der Schweiz

Mach damit, was du willst!

Von Patrik Maillard, in der WOZ vom 14.01.2010

In der Schweiz gibt es eine sehr aktive Szene, die sich für die Verbreitung von Linux und freier Software einsetzt. Das derzeit beliebteste Linux-Computersystem heisst Ubuntu. Es ist einfach zu bedienen – und kostenlos.

Weil der Mensch in ungeliebten Dingen gerne Trägheit entwickelt, frisst er oft das, was ihm vorgesetzt wird. Als wären Computer Mastgänse, stopfte Microsoft sie vor gut zwei Jahren mit einem kalorienreichen Brei namens Vista voll. Vista war ein auf Hochglanz poliertes, leistungshungriges Betriebssystem, welches selbst schnelle Computer ausbremste. Wessen Festplatte das in den falschen Hals geriet, konnte nur beten, dass die Windows-Welt mit der nächsten Version besser werde. Einige enttäuschte KundInnen entfernten die verfettete Leber operativ und belebten den Computer mit einer Kopie des Vorgängers XP wieder. Andere bissen in den sauren Apfel und sparten auf einen Mac.

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Beschwerdeführer streben raschen Entscheid an im Verfahren gegen die Vergabe des 42-Millionen-Auftrags durch den Bund an Microsoft

MEDIENMITTEILUNG DER BESCHWERDEFÜHRER
Zürich, 10. Januar 2010

Nachdem das Bundesamt für Bauten und Logistik BBL nach mehrmonatigen Vergleichsverhandlungen im Dezember 2009 deren Scheitern verursacht hat, streben die Beschwerdeführer nun einen raschen Entscheid im Verfahren an. Es soll insbesondere verhindert werden, dass sich der Prozess bis zum Ablauf des Vertrages mit Microsoft hinzieht und der Bund vor dem Endurteil einen grossen Teil der strittigen Leistungen freihändig beziehen kann. Um den Gerichtsprozess auf den tatsächlichen Streitgegenstand zu fokussieren und von formellen Verfahrensfragen zu entlasten, haben einige kleinere Beschwerdeführer, deren Legitimation vom Bund mit Hinweis auf die fehlende Grösse ihrer Unternehmen bestritten hat, ihren Rückzug vom Prozess erklärt.

Im Beschwerdeverfahren hat das Bundesverwaltungsgericht zu entscheiden, ob das BBL den CHF 42-Millionen-Auftrag für Softwarelizenzen samt 3rd-Level-Support ohne öffentliche Ausschreibung direkt an Microsoft vergeben durfte. Nach dem Rechtsstandpunkt der Beschwerdeführer wurde dadurch das Vergaberecht des Bundes verletzt.

Im Rahmen des Verfahrens übte die Bundesverwaltung ungerechtfertigt Kritik, dass sämtliche Beschwerdeführer nicht von der freihändigen Vergabe an Microsoft betroffen und deshalb nicht beschwerdeberechtigt seien. Dadurch entstand im Beschwerdeverfahren unnötig grosser Aufwand um die Legitimation jedes einzelnen der 18 beschwerdeführenden Open Source Unternehmen darzulegen. Obwohl offensichtlich ist, dass alle Beschwerdeführer kompetent hochqualitative Informatik-Dienstleistungen für Open Source Lösungen erbringen können und dies in grossen IT-Projekten täglich beweisen, versuchte der Bund, den Gerichtsprozess durch Formalitäten zu verzögern.

Um der Prozessverzögerung entgegen zu wirken haben sich die Beschwerdeführer dazu entschlossen, sieben der kleineren Unternehmen zurückzuziehen. Nichtsdestotrotz bieten alle der ursprünglichen Beschwerdeführer Software und IT-Leistungen an, die mit den an Microsoft vergebenen Software-Lizenzen in Konkurrenz stehen. Alle bisherigen Beschwerdeführer stehen weiterhin hundertprozentig hinter der Beschwerde. Sie haben deshalb alle ein schutzwürdiges und praktisches Interesse daran, dass der IT-Markt nicht weiter von der Vergabepraxis der Bundesverwaltung verzerrt wird. Die Beschwerdeführer bedauern, dass ausgerechnet innovative Schweizer KMUs durch die Informatik-Vergabepraxis des BBL derart benachteiligt werden.

Mediensprecher der Beschwerdeführer
Dr. Matthias Stürmer
Vorstandsmitglied Verein Swiss Open Systems User Group /ch/open
+41 76 368 81 65, matthias.stuermer@ch-open.ch

Medienreaktionen

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Bundesverwaltung lässt Vergleichsverhandlungen scheitern: Gegendarstellung der Beschwerdeführer

Der Bund gab heute den Abbruch der Vergleichsverhandlungen bekannt. Die Gründe für das Scheitern wurden durch den Bund derart tendenziös dargestellt, dass die Beschwerdeführer sich genötigt fühlen, in dieser Medienmitteilung eine Gegendarstellung vorzunehmen.

Das Ziel der Beschwerde gegen die freihändige Vergabe eines CHF 42 Millionen-Auftrages an Microsoft war von Anfang klar: Nicht-diskriminierende Ausschreibung der Büroinformatik und Gleichbehandlung der Marktteilnehmer. Auf befremdende Weise hat der Bund jedoch im Laufe der Verhandlungen plötzlich mitgeteilt, dass er über diesen Verhandlungsgegenstand nicht mehr verhandeln wolle. Unter anderem war er auch nicht dazu bereit sich zu bekennen, die zukünftigen Beschaffungen im Bereich Büroinformatik öffentlich auszuschreiben. Offensichtlich will sich die Bundesverwaltung auch weiterhin herausnehmen, eine grosse Anzahl von Informatik-Projekten freihändig zu vergeben.

In der Folge sind die Beschwerdeführer dem Bund weit entgegen gekommen, indem sie bereit waren, über andere Verbesserungen (bspw. Erneuerung der Standardisierungsanweisungen, Umsetzungsmassnahmen der Open Source Strategie etc.) zur Gleichbehandlung der Marktteilnehmer zu verhandeln. Der Bund war nicht bereit, sich auf verbindliche Grundsätze festzulegen. Ausserdem beharrte er auf so weitgehenden Vorbehalten, dass eine Zementierung der heute praktizierten Diskriminierung der Open Source Anbieter zu befürchten war.

Gegen Ende der Vergleichsverhandlungen teilte der Bund mit, dass sein zahnloser und unverbindliche Vergleichsvorschlag abschliessend und nicht weiter verhandelbar sei. Mit Erstaunen nehmen die Beschwerdeführer in der heutigen Medienmitteilung des Bundes von der gegenteiligen Behauptung Kenntnis.

Die Beschwerdeführer halten fest, dass der endgültige „vermittelnde Vorschlag“ geradezu einen Rückschritt gegenüber dem Status Quo bedeutet hätte. Aus diesem Grund war die Beschwerdegemeinschaft gezwungen, die Verhandlungen abzubrechen und das Gerichtsverfahren wieder aufzunehmen. Die Beschwerdeführer sind zuversichtlich, dass das Verfahren einen erfolgreichen Ausgang nehmen wird.

Mediensprecher der Beschwerdeführer
Dr. Matthias Stürmer
Vorstandsmitglied Verein Swiss Open Systems User Group /ch/open
+41 76 368 81 65, matthias.stuermer@ch-open.ch

Medienreaktionen

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Erneutes Informatik-Chaos in der Bundesverwaltung wegen Abhängigkeit zu proprietärer Software

Laut der Berner Zeitung will die Bundesverwaltung nun auch Windows 7 einführen. Nach der bereits skandalösen Software-Beschaffung in der Höhe von CHF 42 Millionen bei Microsoft manövriert sich der Bund in ein weiteres Informatik-Chaos. Mitglieder der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit sind enttäuscht, denn sie erwarten von den Bundes-Informatikern einen nachhaltigen Umgang mit digitalen Gütern.

Wie es dem Geschäftsmodell von Herstellern proprietärer Software entspricht, werden in regelmässigen Abständen neue Versionen von Software-Lösungen hergestellt um sie den Kunden als Update zu verkaufen. So ist es auch bei Microsoft zu erwarten gewesen, dass Windows Vista nicht die letzte Version des Microsoft-Betriebssystems sein würde. Nichtsdestotrotz hat der Bund bereits vor drei Jahren den Wechsel auf Windows Vista angekündigt unter dem Vorsatz Doppelspurigkeiten zu vermeiden.

Leider ist dies nicht gelungen. In Kürze ist anzunehmen, dass durch die lange Dauer des Vista-Migrationsprojekts in der Bundesverwaltung bald auch Windows 7 und damit noch eine weitere Windows-Version im Einsatz ist. Ob mit dieser uneinheitlichen Desktop-Umgebung dann wie erhofft jährlich CHF 15 Millionen eingespart werden können ist fraglich.

Edith Graf-Litscher, SP-Nationalrätin und Ko-Präsidentin der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit ist enttäuscht: «Überall muss gespart werden. Im Informatikbereich der Bundesverwaltung wird genau das Gegenteil gemacht. Jetzt werden mindestens vier Windows-Versionen in der Bundesverwaltung im Gebrauch sein: Windows 2000, Windows XP, Windows Vista und Windows 7. Wenn es so weitergeht, wird die Bundesverwaltung nie den Synergie-Effekt eines einheitlichen Systems haben, weil sie kontinuierlich upgraden muss, was mit sehr hohen Kosten verbunden ist.»

Eine nachhaltige Alternative wäre der verstärkte Einsatz von Open Source Software. Deren Upgrade-Zyklen sind von Natur aus stärker auf die Bedürfnisse der Anwender ausgerichtet. Die Freiheit und Unabhängigkeit von Open Source Benutzern verhindert, dass sie von Software-Lieferanten auf neue Versionen gezwungen werden können. Auch werden Open Source Lösungen typischerweise regelmässiger aber in weniger drastischen Schritten erneuert, sodass die Aktualisierungen sanfter und ohne grosse ‘Hauruck’-Migrationsprojekte durchgeführt werden können. Deshalb würden die kurzfristig anfallenden Wechselkosten von proprietärer Software auf Open Source Software durch die langfristigen Kosteneinsparungen der künftigen Updates kompensiert werden und eine digital nachhaltige Informatik-Umgebung könnte geschaffen werden.

Dieser Überzeugung ist auch Walter Donzé, EVP-Nationalrat und Gründungsmitglied der Parlamentarischen Gruppe: «Die öffentlichen Verwaltungen werden mit Steuergeldern geführt. Da lässt sich schon schauen, ob man sich langfristig an einen Software-Lieferanten binden will oder ob man nicht besser Open Source Software und offene Standards verwendet und sich damit Handlungsspielraum verschafft.»

Medienspiegel

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“Global Information Society Watch 2009” über die Schweiz

In Sharm El Sheikh (Ägypten) findet gerade das Internet Governance Forum (IGF) statt, wo unter der Ägide der UNO verschiedene Themen des Internets und der Informationsgesellschaft diskutiert werden. Ein Fortschritt gegenüber anderen gewichtigen internationalen Veranstaltungen besteht darin, dass nicht nur Vertreter von Regierungen und Firmen diskutieren, sondern dass auch Vertreter der Zivilgesellschaft weitgehend gleichberechtigt mitreden können. Ein solcher Diskussionsbeitrag ist der Bericht Global Information Society Watch 2009 zum Thema “Access to online information and knowledge – advancing human rights and democracy”. Das aufschlussreiche Kapitel über die Schweiz berichtet von einigen positiven Entwicklungen, moniert aber die noch ungenügende Umsetzung der Verwendung von Open Source und offenen Standards.

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Digitale Nachhaltigkeit – ein Konzept mit Zukunft

Die aktuelle Ausgabe der Netzwoche (Nr. 20, 11. November 2009) enthält einen Artikel über das Konzept der Digitalen Nachhaltigkeit:

Digitale Nachhaltigkeit – ein Konzept mit Zukunft

Der nachhaltige Umgang ist nicht nur mit natürlichen Ressourcen notwendig, sondern wird künftig auch bei digitalen Gütern immer wichtiger. Welche Auswirkungen und Potentiale diese Entwicklung für Produzenten und Konsumenten insbesondere von Software mit sich bringt, wird im Folgenden beschrieben.
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Lehrerer müssen keine Diebe sein: Die Digitale Allmend reagiert auf “Fair kopieren”-Kampagne der Verlage

Der Verein Digitale Allmend hat gestern mit einer Medienmitteilung auf die Kampagne “Fair kopieren” der Buchhändler und Lehrmittelverlage reagiert. Auch Edith Graf-Litscher, Co-Präsidentin der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit, unterstützt die Stellungnahme, da sich die Parlamentarier-Gruppe unter anderem für freien Wissenszugriff und die Förderung von Open Content einsetzt:

Lehrer müssen keine Diebe sein: Offene Inhalte für die Schulen anstatt Schutz der Verlage

Buchhändler und Lehrmittelverlage bangen um ihre Einkünfte und haben deshalb die Kampagne „Fair kopieren“ lanciert. Die Digitale Allmend weist jetzt darauf hin, dass der freie Zugang zu Wissen zentral ist für die Bildung und dazu alternative Lizenzen wie die Creative Commons zu fördern sind.

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Berichterstattung auf Radio DRS, Vortrag über Digitale Nachhaltigkeit in Wien

netzwoche_2009-17_parlamentarierdinnerNeben dem Artikel in der Netzwoche von Christian Walter hat Patrik Tschudin, Wissenschaftsredaktor beim Schweizer Radio DRS, zwei ausführliche Radio-Berichte mit Teilnehmern des Parlamentarier-Dinners erarbeitet. Die beiden leicht unterschiedlichen Reportagen (DRS 2, 3:45min und DRS 4, 4:06min) enthalten Aussagen von Florian Schiessl (Stadt München), Edith Graf-Litscher (Nationalrätin und Ko-Präsidentin der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit), Luc Recordon (Ständerat und Mitglied der Parlamentarischen Gruppe) sowie Marius Redli (Direktor des Bundesamts für Informatik und Telekommunikation). Beginnen tut die Berichterstattung auf DRS 2 mit den Worten:

“Nachhaltig ist, was die eigenen Grundlagen bewahrt, die Ressourcen schont und Kooperation bevorzugt. Zur ökologischen, ökonomischen und sozialen Nachhaltigkeit gesellt sich nun also auch die digitale Nachhaltigkeit.”

Der Begriff “Digitale Nachhaltigkeit” gewinnt somit allmählich an Bekanntheit. Diese Woche hat dazu auch der Sekretär der Parlamentarischen Gruppe, Matthias Stürmer, in Wien am Fachkongress “InterOperabilität - vom Stand der Technik zu Zukunftsstrategien auf europäischer Ebene” referiert und unter anderem die künftigen Tätigkeiten der Parlamentarier-Gruppe skizziert:

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Parlamentarier und Verwaltungskader informieren sich aus erster Hand über renommierte Open Source Projekte

MEDIENMITTEILUNG PARLAMENTARISCHE GRUPPE DIGITALE NACHHALTIGKEIT (als PDF / ODF / DOC)

Im Rahmen des Dinners der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit im Hotel Bern haben sich gestern Abend National- und Ständeräte, ein Regierungsrat sowie zahlreiche Informatik-Kaderleute aus Bund und Kantonen über die bekannten Open Source Migrationsprojekte beim Bundesgericht, dem Kanton Solothurn und der Stadt München informiert.

(PDF-Folien) Christian Wasserfallen, Co-Präsident und Nationalrat Kt. Bern, eröffnete das Dinner der Parlamentarischen Gruppe begeisternd und begrüsste die Teilnehmer. Unter ihnen waren nationale Politiker wie Luc Recordon und Robert Cramer, Ständeräte aus Waadt und Genf, sowie Kaderleute aus der Verwaltung wie beispielsweise BIT-Direktor Marius Redli und Paul Tschümperlin, Generalsekretär des Schweizerischen Bundesgerichts. Das politische Fazit zog am Ende des Abends Edith Graf-Litscher, Co-Präsidentin und Nationalrätin Kt. Thurgau. Sie betonte die Chancen von Open Source Software für den nachhaltigen Umgang mit digitalen Gütern und wies darauf hin, dass es zur Nutzung dieses Potentials sowohl die Unterstützung der Politik als auch die Umsetzung in der Verwaltung benötigt.

(PDF-Folien) Zuvor hatten Führungskräfte aus dem Bundesgericht, dem Kanton Solothurn und der Stadt München über die aktuellsten Entwicklungen in ihren bekannten Open Source Migrationsprojekten berichtet. Daniel Brunner, stellvertretender Informatik-Leiter beim Schweizerischen Bundesgericht, erläuterte die seit acht Jahren aktiv umgesetzte Open Standards und Open Source Software Strategie. Dabei wies er insbesondere auf das positiv ausgefallene Audit von KPMG im letzten Jahr hin, das die beim Bundesgericht im Einsatz stehenden Open Source Lösungen wie OpenOffice.org, Evolution, Firefox und Alfresco als sehr wirtschaftlich und zukunftsorientiert befunden hatte. Zu denken gab den anwesenden Politikern der geplante Wechsel der Informatik des Bundesverwaltungsgerichts. Einerseits soll zurück auf die proprietäre Microsoft-Plattform gewechselt werden, andererseits verursacht diese Migration laut Budget 2010 Mehrkosten von rund 7 Millionen Franken, was rund 65% der jährlichen IT-Gesamtkosten der Bundesgerichte ausmacht. Ferner verursacht die vom Bundesverwaltungsgericht beschlossene Trennung in der Zukunft einen jährlichen Synergie-Verlust von 1.8 Millionen Franken.

(PDF-Folien) Als zweites bekanntes Open Source Migrationsprojekts wurde die Linux-Einführung im Kanton Solothurn von Informatikleiter Kurt Bader vorgestellt. Die unterschiedlichen Vorteile der Open Source Plattform wie die reduzierte Lieferanten- und Produktabhängigkeit sowie die niedrigeren Kosten zeigten deutlich, dass weder Kritik an der technischen Umsetzung der Migration noch an den Finanzen angebracht ist. Dies belegt auch die Entwicklung des globalen IT-Budgets über die letzten sechs Jahre, das die Kostenersparnisse widerspiegelte trotz Einführung neuer Software-Lösungen und Teuerung.

(PDF-Folien) Mit dem Einblick in die Linux Desktop Migration der Stadt München stellte der stellvertretende Projektleiter Florian Schiessl das dritte bekannte Open Source Pionierprojekt vor. Dabei wies er vor allem auf den pragmatischen Evaluationsprozess hin, der dem Migrationsprojekt vorausging. Das Ziel war stets eine kostengünstige Lösung mit möglichst niedrigen Abhängigkeiten zu wählen. Dabei stellte sich in mehreren externen Gutachten die Open Source Plattform als bestes Mittel zum Ziel heraus, sodass die Stadtverwaltung diesen Weg wählte. Heute arbeiten alle 14′000 Arbeitsplätze der städtischen Verwaltung mit OpenOffice.org, 2200 davon wurden bereits auf Linux migriert.

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Kritik an Ausschreibungen der Schulinformatik, die a priori Microsoft Windows verlangen

MEDIENMITTEILUNG PARLAMENTARISCHE GRUPPE DIGITALE NACHHALTIGKEIT (als PDF / ODF /DOC)

warumnurwindowsZürich, 03.09.2009 - Immer wieder tauchen öffentliche Ausschreibungen auf, die von vornherein nur Angebote basierend auf Microsoft Windows zulassen. Besonders stossend ist dies bei Neubeschaffungen in der Schulinformatik, da nationale und internationale Beispiele zeigen, dass Linux eine echte Alternative darstellt. Nationalräte der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit kritisieren die heutige Praxis und verlangen Änderungen.

Nach mehreren Beispielen aus der Vergangenheit beschafft nun mit Jegenstorf eine weitere Berner Gemeinde ihre Schulinformatik neu. Mit der Beratung der Firma SYTEQ GmbH ist man dabei jedes Mal zum Schluss gekommen, dass Open Source Software keine Alternative zu Microsoft Windows darstellt und deshalb Angebote basierend auf Freier Software von vornherein ausgeschlossen sind:

Es wurde von der ausschreibenden Stelle nach eingehender Prüfung der möglichen Varianten festgelegt, dass in den Schulen Jegenstorf in Zukunft weiterhin mit der einheitlichen Plattform Microsoft Windows gearbeitet wird. Das Pflichtenheft wurde deshalb für die Windows- Plattform erstellt. Angebote aus der Apple Macintosh- und OpenSource-Umgebung sind nicht zugelassen.
(Zitat Ausschreibung auf simap.ch, 2.9.2009)

Dies ist umso erstaunlicher, als einerseits der aktuelle Fall vor dem Bundesverwaltungsgericht zeigt, dass eine derartige Vorwegnahme des Vergabeentscheids juristisch umstritten ist. Und andererseits, dass die Berner Regierung bereits vor bald zwei Jahren entschieden hat, den Einsatz von Open Source Software in Berner Schulen zu fördern. Die Motion von Marc Jost wurde damals in diesem Punkt von der Regierung selber gutgeheissen:

Ziffer 1
Der Einsatz von OSS ist im Schulbereich der Erziehungsdirektion bereits seit längerer Zeit ein Thema und wird aufgrund der föderalistischen Struktur der verschiedenen Schulbereiche unterschiedlich stark gefördert. Die zunehmende Beachtung und Behandlung des Themas Open Source soll sicherstellen, dass sich die Studierenden und die Lehrpersonen ausreichend mit den Chancen eines OSS-Einsatzes befassen und damit auch die entsprechende Offenheit für diesen Aspekt in ihr berufliches Umfeld einbringen können. Zu beachten ist schliesslich, dass die Anstrengungen bei der Ausbildung in den meisten Fällen auf den Einsatz von Anwendungssoftware zu konzentrieren sind. Die Umstellung von Betriebssystemen ist häufig mit grossem Aufwand verbunden, und die Wahl des Betriebssystems hat zudem wenig Bezug zu den pädagogischen Hauptfragestellungen der betreffenden Bildungsanstalten. Der Regierungsrat unterstützt das teilweise bereits erfüllte
Anliegen der Motionäre grundsätzlich und ist bereit, die Motion bezüglich dieser Ziffer als Postulat anzunehmen.
(Zitat Antwort des Regierungsrats, 12. September 2007)

Edith Graf-Litscher, Nationalrätin SP Thurgau und Co-Präsidentin Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit, bedauert die vergebene Chance: „Den Schülerinnen und Schüler wird durch diese Beschaffungspolitik die Chance weggenommen, zukünftig von der Vielfalt und den Gestaltungsmöglichkeiten einer Open Source Lösung zu profitieren.“ Und auch Gründungsmitglied der Gruppe Thomas Weibel, Nationalrat GLP Kt. Zürich fordert: „Besonders in Zeiten immer knapper ausfallender Steuererträge muss die öffentliche Hand auf allen Stufen sinnvolle Sparmöglichkeiten nutzen. Ich erwarte deshalb, dass die Beschaffung von kostengünstigen und zukunftsträchtigen Open Source Betriebssystemen und  Software immer ernsthaft und gleichwertig in die Evaluation einbezogen wird.“

Die Parlamentarier fordern, dass der Wettbewerb im IT-Markt mit solchen Produktvorgaben nicht noch stärker verzerrt wird. Open Source Software wird weltweit in Schulen millionenfach eingesetzt - siehe bspw. Linux-Migrationen der Brasilianischen Schulen - und ist selbst in der Schweiz an Genfer Schulen (siehe auch Präsentation an der /ch/open OSS an Schulen Konferenz 2009) und seit neustem auch in Wynigen gross im Einsatz. Wieso sollte Linux - bspw. der neue Ubuntu Swiss Remix - an Bernischen Schulen nicht funktionieren?

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