Von Matthias Stürmer,
Geschäftsleiter Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit
Seit Beginn ihrer Gründung im Jahr 2009 setzt sich die Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit für einen freien Zugang zu Wissensgütern ein. Im Bereich der Kulturgüter ist in der Zielsetzung der Parlamentarier-Gruppe explizit festgehalten: «Offene, partizipative Modelle kultureller Produktion wie Wikipedia und Creative Commons (CC) begründen gesellschaftlichen Mehrwert und sind zu fördern, indem mit öffentlichen Geldern finanzierte Inhalte frei zugänglich gemacht werden.» Damit ist klar, dass der von Leonhard Dobusch beschriebene Förderbonus für offene Lizenzen eine konsequente Umsetzung der oben genannten Ausrichtung darstellt. Kultur wird seit jeher durch öffentliche Gelder gefördert. Wenn nun Kulturschaffende mittels Förderbonus einen zusätzlichen Anreiz erhalten, ihre Werke unter CC-Lizenzen freizugeben, dann wird den Steuerzahlenden neben dem Kulturgut auch die Freiheit dessen Nutzung und möglichst auch dessen Weiterentwicklung gegeben. Die Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit ist demzufolge bereit, politische Aktivitäten in diese Richtung zu unterstützen.
Der Bundesrat hat die Totalrevision des Bundesgesetzes betreffend Überwachung der Post- und Fernmeldeverkehrs (BÜPF) in die Vernehmlassung gegeben. Noch bevor die Räte die Vorlage diskutieren, lancierte die Piratenpartei auf www.buepf.ch eine Petition gegen die BÜPF-Revision. Die Piraten werden dabei unterstützt von den Jungfreisinnigen, JUSOs, Jungen Grünen, Jungen Grünliberalen und der Jungen SVP. Zahlreichen zivilgesellschaftliche Organisationen und ICT-Branchenverbänden haben sich ebenfalls kritisch geäussert.
Um den öffentlichen Meinungsbildungsprozess zu fördern und sowohl die Vorteile als auch Schwierigkeiten des neuen Gesetzes zu diskutieren, führt die Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit in dieser Sommersession ein hochkarätig besetztes Open Hearing im Bundeshaus durch. Am 19. Juni 2013 werden sich Parlamentarier und Medienschaffende über die Veränderungen, Chancen und Herausforderungen des neuen BÜPF informieren. Kurz danach werden die Videoaufzeichnungen der Anhörung auf diesem Blog publiziert, sodass sich auch die Öffentlichkeit ein Bild über die Argumentationen der unterschiedlichen Anspruchsgruppen machen kann.
Folgende Personen werden an diesem Open Hearing referieren bzw. diskutieren:
Patrick Rohner ist seit 5 Jahren beim Bundesamt für Justiz tätig in den Schwerpunkten Strafrecht und Strafprozessrecht. Davor arbeitete er am Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum, im juristischen Dienst des Generalsekretariats des Eidgenössischen Departements des Innern und als Staatsanwalt. Patrick Rohner hat Rechtswissenschaft an der Universität Freiburg studiert, ist Rechtsanwalt und hat ein Certificate of Advanced Studies im Bereich der Justiz (MA CAS) erworben.
Dr. Andreas Brunner ist leitender Oberstaatsanwalt des Kantons Zürich und Präsident der Konferenz der Strafverfolgungsbehörden der Schweiz (KSBS). Er ist seit 34 Jahren im Dienst der Justiz, zuerst als Bezirksanwalt der Zürcher Erwachsenenstrafverfolgung, später als Staatsanwalt und seit 2005 als Zürcher Oberstaatsanwalt. Andreas Brunner hat Rechtswissenschaft an den Universitäten Lausanne und Zürich studiert und 1978 an der Universität Zürich promoviert.
Dr. Stefan Blättler ist Kommandant der Kantonspolizei Bern und Präsident der Schweizerischen Kriminalkommission (SKK). 1989 begann er seinen Dienst bei der Kantonspolizei Bern, 1993 wurde er Chef Regionalpolizei Seeland-Berner Jura, später Chef Planung und Einsatz und 2006 Polizeikommandant. Stefan Blättler ist Chef des Kantonalen Führungsorgans (KFO) und strategischer Leiter Desaster Victim Identification (DVI). Er hat an der Universität Neuenburg studiert und promovierte dort 1987 zum Dr. iur.
Christa Hofmann ist Head Regulatory Affairs beim Swico, dem schweizerischen Verband der Anbieter von ICT und Unterhaltungselektronik. Zuvor absolvierte Christa Hofmann ein berufsbegleitendes MBA-Studium, leitete ein regionales Generalsekretariat und den Rechtsdienst einer Landeskirche und war persönliche Mitarbeiterin des Direktors der Handelskammer beider Basel. Ihre juristische Laufbahn startete sie als Gerichtsschreiberin am Basler Zivilgericht und als Mitarbeiterin der Steuerrekurskommission.
Dr. Rolf Auf der Maur ist Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei VISCHER und Vizepräsident des Branchenverbands der Schweizer Internet-Wirtschaft Swiss Internet Industry Association (Simsa). Zu seinen Klienten zählen führende Unternehmen aus der Medienbranche, Unterhaltungsindustrie, Telekommunikation und Informationstechnologie. Er hat an der Universität Zürich Rechtswissenschaften studiert und 1990 zum Dr. iur. promoviert.
Um von Seiten des Vereins Opendata.ch die Vorteile und Verbesserungsmöglichkeiten bei einem Beitritt zur OGP Initiative zu erläutern, hat der Opendata.ch-Vorstand heute folgendes Schreiben an das EDA zuhanden der involvierten Amtsstellen verschickt:
Stellungnahme Verein Opendata.ch zum Beitritt der Schweiz zur Open Government Partnership Initiative
Der Verein Opendata.ch begrüsst einen möglichst raschen Beitritt der offiziellen Schweiz zur Open Government Partnership (OGP) Initiative. Im vorliegenden Dokument beschreiben wir die aus unserer Sicht realisierbaren Vorteile und Verbesserungsmöglichkeiten durch einen solchen Schritt.
Vorteile
Folgende Vorteile ergeben sich, wenn die Schweiz Mitglied der OGP Initiative wird:
Erfahrungs- und Knowhow-Transfer: Die Anbindung an die OGP Initiative gewährt der Schweiz den Anschluss an die internationale Community von Regierungen aus der ganzen Welt, die aktiv Open Government Projekte umsetzen. Durch die aktive Mitarbeit in den Gremien der OGP sowie durch die Rückmeldungen von Experten bezüglich unseres nationalen Open Government Aktionsplanes erhält die Schweiz Zugang zu Erfahrungen und Knowhow in der praktischen Planung und Realisierung von Open Government Projekten.
Ausrichtung und Synergien: Die Ausarbeitung eines eigenen Open Government Country Plans, den die Mitgliedschaft in der OGP erfordert, gibt der Schweiz Anlass , die laufenden Open Government Projekte auf allen föderalen Ebenen zu erfassen und – soweit sinnvoll – zu harmonisieren. Diese nationale Inventarisierung und Harmonisierung erlaubt auch eine Ausrichtung an laufenden Projekten in anderen Ländern. Weil die dabei eingesetzten Software-Lösungen vielfach unter einer Open Source Lizenz veröffentlicht sind, können Anwendungen wiederverwendet und Synergien genutzt werden.
Sichtbarkeit: Wird die Schweiz Mitglied der OGP Initiative, kann sie ihre bereits laufenden Open Government Projekte auf internationaler Ebene sichtbar machen und auf die geplanten Vorhaben hinweisen. Die Schweiz kann dadurch eine noch aktivere Rolle im weltweiten Bestreben nach mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung wahrnehmen. Bewährte Schweizer Politikkonzepte wie die Direkte Demokratie oder das Kollegialitätsprinzip können dadurch anderen Ländern näher gebracht werden.
Wirkungskontrolle bei der Entwicklungszusammenarbeit: Die OGP-Initiative verpflichtet ihre Mitglieder zu mehr Transparenz und besserer Korruptionsbekämpfung. Sie hat dazu verbindliche Prinzipien festgelegt und verlangt von jedem Mitglied einen nationalen Aktionsplan, wie diese Open Government Prinzipien umgesetzt werden. Dies betrifft insbesondere auch die Entwicklungszusammenarbeit und ermöglicht der Schweiz als Geberland eine effektivere Wirkungskontrolle der Verwendung ihrer Entwicklungsbeiträge durch Nehmerländer, welche bei der OGP Mitglied sind.
Verbesserungsmöglichkeiten
Obwohl die Schweiz in vielen Bereichen der OGP Initiative (Transparenz, Bürgerbeteiligung, Korruptionsbekämpfung und Rechenschaftslegung) bereits vorbildlich ist und die Kriterien einer Mitgliedschaft problemlos erfüllt, wird der Beitritt der Schweiz an folgenden Stellen weitere Fortschritte ermöglichen:
Transparenz: Durch das Pilotprojekt OGD@Bund1 sind zur Zeit mehrere Ämter daran, ihre offenen Daten einheitlich in maschinenlesbaren Formaten auf einer gemeinsamen zentralen Plattform zu publizieren. Dies ist aber erst der Anfang. Noch bestehen zahlreiche rechtliche und finanzielle Barrieren, welche die Veröffentlichung von Behördendaten unnötig behindern. Durch den Erfahrungsaustausch mit anderen Ländern kann die Schweiz im Bereich Datenzugang und Datenbereitstellung weitere Fortschritte erzielen.
Partizipation: Das Schweizer Demokratiesystem erlaubt es allen Stimmberechtigten aktiv am Politgeschehen teilzunehmen. Mittels intelligenten Open Government Applikationen (bspw. www.fixmystreet.co.uk, www.zueriwieneu.ch) kann Bürgerbeteiligung über die Teilnahme an Wahlen und Abstimmungen hinaus gezielt gefördert werden. Der Austausch und die Kontakte, welche die Schweiz über eine Beteiligung an der OGP Initiative gewinnt, wird zu neuen, erfolgreichen Open Government Projekten führen, die letztlich die Partizipation der Bevölkerung an gesellschaftlichen Projekten erhöht.
Korruptionsbekämpfung: Länder wie Grossbritannien und die USA publizieren bereits heute sehr transparent detaillierte Angaben über PolikerInnen, hohe Verwaltungskader, öffentliche Beschaffungen etc. Die Schweiz kann durch den aktiven Austausch in den Gremien der OGP Initiative von den Erfolgen und Misserfolgen derartiger Massnahmen zur Korruptionsbekämpfung in anderen Ländern lernen und die passenden Lehren daraus für die Situation in der Schweiz ziehen.
Rechenschaftslegung: Die Nachvollziehbarkeit des Regierungshandelns ist für die Vertrauensbildung der Bevölkerung in die Regierung grundlegend. Gewisse Länder mögen hier fortschrittlicher als die Schweiz sein. Mittels Beitritt zur OGP Initiative kann die Schweiz an einem internationalen Lernprozess teilnehmen und auf die sich abzeichnende Standardisierungen in diesem Bereich frühzeitig Einfluss nehmen.
Referenzen
Folgende Dokumente wurden zur Erarbeitung dieser Stellungnahme beigezogen:
Zu Beginn erläuterte /ch/open Vorstandsmitglied Dr. Matthias Stürmer die Ausgangslage und die Zielvorstellungen des Vereins, der den Einsatz und die Entwicklung von Open Source in der Verwaltung fördert (siehe Folien als PDF). Für /ch/open möchte die Erarbeitung eines Mustervertrags für die Beschaffung von Open Source Software und die Herausgabe eines Open Source Beschaffungsleitfadens angehen. Anschliessend zeigte Rechtsanwalt Dr. Christian Laux unter anderem die Möglichkeiten auf, wie die Schwedischen Rahmenverträge mit Open Source Anbietern auch in der Schweiz umgesetzt werden könnten (siehe Folien als PDF). Insbesondere die Urheberrechts-, Haftungs- und Gewährleistungsaspekte haben die Schweden mit den Rahmenverträgen erfolgreich gelöst. Es folgten Stellungnahmen der Bundesverwaltung und der Open Source Firmenvertretern und danach wurden die verschiedenen Themen und möglichen Lösungsansätze diskutiert.
Als Resultat wurde vereinbart, dass an einer Folgesitzung die juristischen und operativen Möglichkeiten ausgearbeitet werden sollen, wie Open Source Software in der öffentlichen Verwaltung in der Schweiz künftig einfacher und mit weniger rechtlichen Hürden verbunden beschafft werden kann.
Heute haben Stadtberner Parlamentarierinnen und Parlamentarier aus SP, EVP, Grünem Bündnis, FDP und SVP eine interfraktionelle Motion (PDF) eingereicht, die den Einsatz von Open Source an Berner Schulen fördern soll. Beinahe der halbe Stadtrat hat die Motion unterzeichnet:
Digitale Medien gehören heute bereits ab dem Kindergartenalter zum Alltag. Die Deutschschweizer ErziehungsdirektorInnen-Konferenz reagiert auf diese Entwicklung und will das Fach “Informationstechnologie und Medienbildung” in den Lehrplan 21 aufnehmen. Auf dieser Grundlage soll es der Volksschule künftig möglich sein, bei den Kinder und Jugendlichen die Medienkompetenz systematisch und altersgerecht aufzubauen. Damit sollen die Kinder geschult werden im sicheren Umgang mit digitalen Medien.
Die Volksschule sollte allerdings auch den Anspruch haben, diese Kompetenz so vielfältig wie möglich zu vermitteln um den Kindern einen unvoreingenommenen Zugang zu IT und Medien zu ermöglichen. Um keine reinen Produktschulungen zu betreiben, ist es deshalb im Bildungsbereich erstrebenswert, den Einsatz von Free and/or Open Source Software (FOSS) zu fördern und Lehrkräfte mit Informations- und Weiterbildungsmassnahmen über FOSS zu schulen. Die ICT-Strategie der Stadt Bern hält fest, dass der Einsatz von Open Source Produkten forciert werden soll. Zudem überwies der Stadtrat eine interfraktionelle Motion, welche eine Open Source Förderstrategie verlangt und explizit den Einsatz von OSS in den Schulen vorgibt. Bekannt ist auch, dass FOSS die Kreativität und Experimentierfreudigkeit der Kinder und Jugendliche fördert. Ausserdem ist der Förderung vom FOSS auch ein Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft, wenn schon im Kindesalter mit offenen Technologien kreative Lösungen erarbeitet werden.
Für die Schulen stellt der Einsatz von FOSS eine Chance dar, um von der produktfokussierten Informatik wegzukommen und nachhaltige Alternativen zu entwickeln. Die bisher in der Stadt Bern eingesetzte Schulsoftware ist überwiegend an proprietäre Systeme gebunden und verursacht damit Abhängigkeiten und unnötige Folgekosten (Software-Lizenzen). Insbesondere im Bildungsbereich wurden zahlreiche FOSS-Lösungen entwickelt, welche vielerorts (Kanton Genf, Spanien, Brasilien etc.) erfolgreich im Schulalltag eingesetzt werden (Edubuntu, Lernstick, Skolelinux, etc.). Besonders erwähnenswert ist dabei der Lernstick, welcher an der Fachhochschule Nordwestschweiz entwickelt wurde und beispielsweise im Kanton Aargau in Prüfungssituationen eingesetzt wird („der Bund“ berichtete).
In der Stadt Bern sind alle Schulhäuser seit Mitte 2009 mit einer einheitlichen ICT-Infrastruktur ausgerüstet. Die Schulinformatik ist über die Plattform base4kids organisiert, welche im vergangenen Jahr gerade neue Software-Beschaffungen durchgeführt hat. Ab Sommer 2013 sind Pilotprojekte geplant, um die nächste Generation der Berner Schulinformatik zu evaluieren und zu entwickeln. Vorgesehen ist beispielsweise der Einsatz von Apple iPads. Da jetzt die Weichen gestellt werden für die nächste Generation der Schulinformatik, sollen auch FOSS-Lösungen in Pilotprojekten geprüft und damit Praxiserfahrungen gesammelt werden.
Wir fordern den Gemeinderat auf, folgende Massnahmen zu ergreifen:
Die Stadt Bern evaluiert, auf welche Art Free and/or Open Source-Software (FOSS) in der Berner Schulinformatik eingesetzt werden kann. Die Evaluation soll auch aufzeigen, welche Lizenzkosten und andere Ausgaben (länger einsetzbare Hardware etc.) damit eingespart werden können.
Die Stadt Bern rüstet Pilotschulen aus, um verschiedene Einsatzformen von FOSS zu testen (FOSS-Anwendungen auf Windows, Edubuntu, Lernstick etc.).
Die Stadt Bern nimmt mit anderen Schweizer Städten und Kantonen Kontakt auf, um Vorgehen bei Studien und Pilotprojekten bezüglich FOSS Einsatz zu koordinieren und Ressourcen zu bündeln.
Bei Neuanschaffungen von Schulsoftware ist Plattformunabhängigkeit (Windows/Mac/Linux und Web Browser) künftig ein Muss-Kriterium, damit keine neuen Abhängigkeiten geschaffen werden.
Die Schulinformatik baut FOSS Know-How bei Lehrkräften und Informatikverantwortlichen auf.
IT-Beschaffungskonferenz 2012 fanden Gespräche zwischen dem Informatiksteuerungsorgan Bund ISB, dem Bundesamt für Bauten und Logistik BBL und der Swiss Open Systems User Group /ch/open bezüglich möglichen künftigen Rahmenverträgen mit Open Source Dienstleistern statt. So hatte an der Konferenz Daniel Melin aufgezeigt (siehe YouTube-Video und PDF-Folien), dass die Behörden in Schweden seit mehreren Jahren über Rahmenverträge zur Beschaffung von Open Source Software verfügen.
Um die genauen Inhalte der Open Source Rahmenverträge kennenzulernen und gegenüber Schweizer Verhältnissen zu prüfen liess die Schweizerische Bundesverwaltung die schwedischen Verträge mit Beilagen sowie die dazugehörige Vorstudie auf Deutsch übersetzen. Die Dokumente wurden im Auftrag des Informatiksteuerungsorgans Bund ISB übersetzt und sind hier ohne jegliche Gewährleistung auf Korrektheit und Vollständigkeit veröffentlicht:
Das erste Referat wurde von Prof. Stefan Keller von der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) gehalten und bot einen Überblick über unterschiedliche Open Source Datenbanken mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen (Folien als PDF). Im anschliessenden Vortrag von Marc Balmer von micro systems wurde anhand des neuen Kassensystems des Basler Zoos die Einführung einer geschäftskritischen Applikation basierend auf PostgreSQL erläutert (Folien als PDF). Abschliessend zeigte Mike Sijmons von Nibble-IT die Vorgehensweise, Herausforderungen und Lösungsansätze bei der Migration von Oracle-Datenbanken auf PostgreSQL-Datenbanken (Folien als PDF).
Am vergangenen Montag, 15. April 2013 fand ein Dinner der Parlamentarischen Gruppe Digitale Nachhaltigkeit statt, an dem über das Urheberrecht im Digitalen Zeitalter diskutiert wurde. Rund 60 Teilnehmende aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Medien nahmen am Anlass teil, über ein Dutzend National- und Ständeräte waren anwesend.
Es referierten Dr. Emanuel Meyer, Leiter Rechtsdienst am Eidg. Institut für Geistiges Eigentum, Hans Läubli, Geschäftsführer Dachverband Suisseculture und Kantonsrat Grüne Zürich, Dr. Felix Stalder, Professor für Digitale Kultur an der Zürcher Hochschule der Künste, und Andreas Von Gunten, Co-Präsident Verein Digitale Allmend. Nachfolgend die Fotos, Videoaufzeichnungen und Folien des Abends. Zum Thema berichtet haben NZZ Online, die Netzwoche und die Computerworld.
Dr. Emanuel Meyer, Leiter Rechtsdienst am Eidg. Institut für Geistiges Eigentum: Aktueller Stand der Arbeitsgruppe AGUR12
Der Bundesrat hat im Bericht Savary festgehalten, einen allfälligen Weiterentwicklungsbedarf des Urheberrechts zeitig zu erkennen und aktiv zu werden. Bundesrätin Sommaruga hat deshalb im vergangenen Jahr die AGUR12 einberufen um die Themen ‘Urheberrecht und Internet’ sowie ‘kollektive Verwertung’ zu diskutieren und Lösungsvorschläge zu unterbreiten. Die AGUR12 ist sich einig, dass illegale Angebote im Internet bestehen, zu Wettbewerbsverzerrungen führen und zu bekämpfen sind. Gleichzeitig müssen aber auch die legalen Angebote auf individueller und kollektiver Ebene verbessert werden. Verschiedene Massnahmen zur besseren Durchsetzung der Urheberrechte im Internet wurden von der AGUR12 bereits andiskutiert. Ein Konsens über das ‘wie weiter’ wird jedoch noch weitere Gespräche erfordern.
Dr. Emanuel Meyer ist Leiter des Rechtsdienstes Urheberrecht und verwandte Schutzrechte beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum. Ursprünglich hat er Vermessungszeichner gelernt. Nach einer Zweitwegmatura und Studien an der Universität Zürich und am Franklin Pierce Law Center in Concord/New Hampshire war er zunächst in Zürich als Anwalt tätig, bevor er 2005 in das Institut eintrat.
Hans Läubli, Geschäftsführer Dachverband Suisseculture und Kantonsrat Grüne Zürich: Sichtweise der Verwertungsgesellschaften auf die heutige Situation im Urheberrecht (Folien als PDF)
Die Urheberinnen und Interpreten, ihre Werke und Leistungen sind auch in der digitalen Welt unverzichtbar. Der schöpferische Prozess ist der Kern künstlerischen und kulturellen Schaffens. Das Urheberrecht trägt zu einer fairen und angemessenen Entschädigung ihrer Arbeit bei. Keineswegsverhindert es den Zugang zu Kunst, Information und Wissen. Im Gegenteil: Das Urheberrecht wahrt den Interessenausgleich zwischen Kulturschaffenden, Konsumenten und der Wirtschaft – auch im digitalen Zeitalter.
Hans Läubli ist unter Kunst- und Kulturschaffenden bestens bekannt. Geboren 1955, lebt er in Affoltern am Albis. Seit 2008 ist er Geschäftsführer von Suisseculture, dem Dachverband der Organisationen der professionellen Kulturschaffenden der Schweiz und der schweizerischen Urheberrechtsgesellschaften. Seit 2007 Kantonsrat für die Grünen in Zürich. Davor war er 10 Jahre Geschäftsführer der vts (heute ACT) und 12 Jahre Geschäftsführer des ssfv (schweizer syndikat film und video).
Dr. Felix Stalder, Professor für Digitale Kultur an der Zürcher Hochschule der Künste: Herausforderungen des Urheberrechts im 21. Jahrhundert (Folien als PDF)
Wir versuchen mit einem Instrumentarium aus dem 19. Jahrhundert zentrale Bereiche der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts zu regeln. Das kann nicht gut gehen, denn Fundamentales ist in Bewegung geraten. Die Zahl der “UrheberInnen” steigt immer weiter; die Grenzen zwischen “privater” und “öffentlicher” Nutzung werden durchlässiger; es ist in unserer kulturalisierten Welt kaum mehr möglich, etwas Neues zu schaffen, ohne auf Bestehendes zurückzugreifen; und die Rolle von Archiven verändert sich. Auf diese Herausforderungen müssen wir reagieren, wenn das Urheberrecht die Potentiale der Vernetzung fördern und die gesellschaftliche Legitimität behalten soll.
Dr. Felix Stalder ist Professor für die Digitale Kultur an der Zürcher Hochschule der Künste, und freier Autor in Wien. Er forscht zu neuen Formen der Wissens- und Kulturproduktion, neuen räumlichen Praktiken und den politisch-kulturellen Dimensionen der Vernetzung. Zuletzt erschienen sind “Cultures and Ethics of Sharing / Kulturen und Ethiken des Teilens” und “Vergessene Zukunft: Radikale Netzkulturen in Europa”. Vor wenigen Woche erschien seine für die Arbeiterkammer Wien verfasste Studie: “Kulturelle Produktion und Mediennutzung im Alltag”.
Andreas Von Gunten, Co-Präsident Verein Digitale Allmend: Neue Geschäftsmodelle mit offenen Inhalten (Folien als PDF)
Die Digitalisierung von Inhalten und Vernetzung von Menschen durch das Internet bilden die Grundlage für die Entwicklung von alternativen Geschäftsmodellen, welche die Verteilung und den Zugang von kulturellen Gütern neu organisieren. Die digitale Kopie, der Hyperlink, die Suchmaschinen, die Aggregatoren und die sozialen Medien sind dabei nicht als Problem sondern als Chance zu sehen. Das Kurzreferat zeigt auf, wie Unternehmen und Kulturschaffende auf Mechanismen der Vernetzung aufbauen und bei ihren Geschäftsmodellen mit offenen Inhalten neue Wege gehen.
Andreas Von Gunten ist Gründer und Geschäftsführer von buch & netz, einem Buch- und Onlineverlag für die vernetzte Welt. Er ist Co-Präsident des Vereins Digitale Allmend, der sich für den öffentlichen Zugang zu digitalen Gütern der Kultur und Wissenschaftsprodukion einsetzt. Der Verein Digitale Allmend vertritt zudem die Interessen und Ideen der Creative Commons Bewegung in der Schweiz.
GEMEINSAME MEDIENMITTEILUNG VON ISB, SIK, SWISSICT UND /CH/OPEN
Bern, 2. April 2013
Das Informatiksteuerungsorgan Bund, die Schweizerische Informatikkonferenz, der swissICT und die Swiss Open Systems User Group /ch/open veranstalten am Mittwoch, 28. August 2013 an der Universität Bern zum zweiten Mal die nationale IT-Beschaffungskonferenz. Auf dem Podium zum Thema Transparenz und Wettbewerb reden unter anderem der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte Hanspeter Thür, WEKO-Vizedirektor Frank Stüssi sowie Michel Huissoud, Vizedirektor der Eidgenössischen Finanzkontrolle.
Die 2012 erstmalig durchgeführte IT-Beschaffungskonferenz stiess auf grosse Nachfrage. Mit über 220 Teilnehmenden war die Konferenz nahezu ausgebucht. So findet dieses Jahr am Mittwoch, 28. August 2013 die IT-Beschaffungskonferenz im geräumigen Hauptgebäude der Universität Bern statt. Die Konferenz wird organisiert durch das Informatiksteuerungsorgan Bund, die Schweizerische Informatikkonferenz, den swissICT und die Swiss Open Systems User Group /ch/open. Erneut diskutieren Fachexperten aus Behörden und Wirtschaft die kritischen Punkte mit dem Ziel, sich fortzubilden und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln – dieses Mal zu den Schwerpunkten agile Beschaffung und Transparenz.
Marco Fetz, Stv. Leiter Bereich Logistik beim Bundesamt für Bauten und Logistik BBL, eröffnet die Konferenz mit einem Referat über die neuen Entwicklungen bei der Beschaffung von ICT-Leistungen. Anschliessend stellt Reto Maduz von der swissICT Fachgruppe “Lean, Agile & Scrum” die Best Practices bei agilen Beschaffungen vor. Im zweiten Teil des Morgens erörtert Prof. Dr. Frédéric Jenny, Vorsitzender der OECD-Kommission „Competition Law and Policy“, das Spannungsfeld zwischen Transparenz, Wettbewerb und Korruption. Zu diesem Thema diskutieren danach auf dem Podium unter anderem Hanspeter Thür, Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter EDÖB, Frank Stüssi, Vizedirektor Wettbewerbskommission WEKO, und Michel Huissoud, Vizedirektor Eidgenössische Finanzkontrolle EFK.
Am Nachmittag ermöglichen die Fachsessions eine Vertiefung in weitere Themen. Die Fachsession 1 „Anleitung für öffentliche IT-Ausschreibungen“ gibt einen praxisorientierten Einstieg in die komplexe Welt von WTO-geregelten IT-Beschaffungen. In der Fachsession 2 „Varianten von agilen Beschaffungen“ werden neuste Erfahrungen bezüglich Submissionsverfahren ausgetauscht. Und in der Fachsession 3 werden erfolgreiche Vorgehen bei Rahmenverträgen und insbesondere beim Personalverleih aufgezeigt. Abschliessend referiert Peter Fischer, Delegierter für die Informatiksteuerung des Bundes, über die Führung von IT-Grossprojekten und was die Bundesverwaltung aufgrund der Vorkommnisse der jüngsten Vergangenheit gelernt und geändert hat.
Zuvor wurden die Hackdays mit einem Videostatement von Nationalrätin Jacqueline Badran eröffnet. Sie wendete sich an die Open Data Community mit drei klaren Anliegen:
Es sollen relevante Finanzzahlen erhoben werden, beispielsweise zu den Einkommens- und Vermögensverhältnisse in der Schweiz.
Die Qualität der Interpretationen ist entscheidend. Wenn beispielsweise die behandelten Daten unvollständig sind, kann rasch eine Scheinobjektivität entstehen.
Die Open Data Applikationen sollten immer zusammen mit Fachexperten entwickelt werden damit die richtigen Begriffe verwendet und korrekte Aussagen getroffen werden.
Anschliessend fand am 21. März 2013 ein Podiumsgespräch über Möglichkeiten und Grenzen der Visualisierung von Finanzdaten statt. Es diskutierten die folgenden Experten:
Giovanna Battagliero, Grossrätin SP Kanton Bern
Dr. Christoph Koller, Projektleiter Datenbank über die Schweizer Kantone und Städte BADAC am Institut de Hautes Études en Administration Publique IDHEAP
Barbara Kummler, Projektleiterin bundeshaushalt-info.de bei Pixelpark, heute HSLU
Daniel Schaffner, Finanzverwalter Stadt Bern
Julian Schmidli, Recherche-Desk der SonntagsZeitung, Datenjournalist
Moderation: Dr. Matthias Stürmer, Vorstandsmitglied Opendata.ch